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Vor 1920

Schon vor 1914 sind den Konzessionsbehörden von den Gemeinden und privaten Initiativkomitees verschiedene Gesuche für eine Tramverbindung von Basel nach Liestal und sogar weiter eingereicht worden. Es gelang aber keinem der Konzessionsbewerber, die erforderliche Bewilligung für die Mitbenützung der Staatsstrasse zu erlangen. Deshalb mussten alle Begehren zumindest vorläufig eingestellt werden.

Elektrische Bahn Basel-Liestal-Sissach, 3. November 1909.
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Quelle: Archiv Bauverwaltung
Tramprojekt Basel-Neuwelt-Liestal, Okotber 1909.
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Quelle: Archiv Bauverwaltung

Uebersichtsplan über die Linienführung verschiedener Projekte, 1913,
Quelle: Archiv Bauverwaltung

Als dann am 27. Dezember 1913 der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft höchst persönlich ein Konzessionsgesuch für eine elektrische Schmalspurbahn von St. Jakob bis nach Liestal, gegebenenfalls mit einer Zweigstrecke von Muttenz nach der Neuen Welt in Münchenstein, einreichte, ersuchte der Bundesrat die eidgenössischen Räte, die Konzession zu erteilen. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Bundesbahnlinie den Lokalverkehr nicht ausreichend bediene und von den SBB kein vermehrter Betrieb im Lokalverkehr erwartet werden könne. Die geplante Bahnverbindung sei daher eine willkommene Ergänzung zum Lokalverkehr der SBB. Die Konzession wurde am 4. April 1914 erteilt. Für das Projekt musste eine neue Bahngesellschaft gegründet werden, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hemmte die Vorbereitungen für deren Finanzierung und Organisation. Unter Berücksichtigung der neuen Umstände reichte der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft ein Gesuch mit der Bitte ein, die Konzession im Sinne eines abschnittweisen Baus der Bahn zu ändern. Dieser Antrag wurde am 22. Juni 1916 bewilligt.

Tramprojekt mit Endstation Muttenz Kirche, Zeit unbekannt,
Quelle: Archiv Bauverwaltung


 

Geschichte Tram 14 ab 1920

Basellandschaftliche Ueberlandbahn: Karte aus Prospekt für due Teilstrecke Basel-Kantonsgrenze bis Muttenz, 1919
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Prospekt Tramprojekt Basel-Kantonsgrenze bis Muttenz 1919

Am 21. Februar 1920 wurde die Basellandschaftliche Ueberlandbahn AG (BUeB) gegründet. Am 21. Januar 1921 erfolgte die Eröffnung der einspurigen Strecke St. Jakob – Muttenz und am 20. Oktober 1922 die Eröffnung der einspurigen Verlängerung von Muttenz nach Pratteln. Über die Eröffnung der Strecke St. Jakob - Muttenz schrieb das Sonntagsblatt Nr. 34 der «Basler Nachrichten» am 23. Januar 1921: «Die Gemeinde Muttenz freute sich am Freitag der Erfüllung eines seit Jahren gehegten Wunsches; sie empfing die ersten blumenbekränzten Strassenbahnwagen in ihren Mauern. Als einzige Ortschaft in Basels nächster Umgebung war bisher Muttenz bis gestern ohne Tramanschluss; es schien beinahe, als ob das vom Naturschutzbund gehegte Birsuferidyll mit seinen Erlen und Nachtigallen diese städtische Ausstrahlung mit einem Zauberbann behindere.» Ebenfalls in der gleichen Zeitung ist zu lesen: «Am romantischen Abhang des Wartenbergs können noch viele Leute, denen die Stadtluft zu schwül wird, ihren Wohnsitz nehmen…», was zum Ausdruck bringt, dass die Gemeinde allerlei Hoffnung in den Tramanschluss von Muttenz setzte. Die Tramlinie überquerte von St. Jakob her die Birs auf einer schmalen Eisenbogenbrücke. Dann führte die Strecke entlang der Kantonsstrasse zur Ausweichstelle Freidorf, von wo sie weiter der Kantonsstrasse und der Tramstrasse entlang nach Muttenz Dorf führte. Offenbar fuhren anfänglich die Trampassagiere aus Muttenz aus Kostengründen meist nur bis zum Zeughaus und legten den Rest des Weges in die Stadt zu Fuss zurück.

Übersicht der Inbetriebnahme der Linienabschnitte

1. April 1916 Neue Linie Hardstrasse - Zeughaus
ab 19. August 1916 Linie verlängert bis St. Jakob. 12 Minuten-Betrieb
22. Januar 1921

wird bis Muttenz gefahren. In den Hauptverkehrszeiten alle 12 Minuten, sonst alle 24 Minuten.

Route: Wiesenplatz - Johanniterbrücke - Marktplatz - Barfüsserplatz - Aeschenplatz - St. Jakob - Freidorf - Muttenz. Bis Zeughaus immer im 12 Minuten-Betrieb. Auf Anordnung an Sonntagen eine Linie Riehen-Muttez in Betrieb.

20. Oktober 1922

Linie nach Pratteln geführt. Alle 24 Minuten nach Pratteln. Gleizeitig Inbetriebnahme der Doppelspur St. Jakob-Birsfelderstrassse
Nach Muttenz fuhr die Linie 12, nach Pratteln die neue Linie 14.

19. November 1931 Aufnahme doppelspuriger Betrieb bis Muttenz
3. Februar 1951 Neue Linie durch Hölebachgraben zwischen Schänzli und Käppeli wegen Verbreiterung der Kantonsstrasse
8. Oktober 1951 Inbetriebsetzung Doppelspur bis Pratteln.

Quelle: BVB, 1975

 

 

Zwischen 1921 und 1951 überquerten Tram und Kantonsstrasse die Birs auf einer schmalen Eisenbogenbrücke. Seither benützen beide Verkehrsträger separate, breite Betonbrücken.
aus: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, S. 159, Claude Jeanmarie, Die Entwicklung der Basler Strassen- und Überlandbahnen, Basel 1969: S. 159
  Einspurige Linienführung an der St. Jakobs-Strasse beim Freidorf 1921.
Bild: Museen Muttenz
 

Die einspurige Linie auf der Kantonstrasse auf Höhe Beton Christen
Bild: Museen Muttenz

Mit der Inbetriebnahme der einspurigen Verlängerung Muttenz-Pratteln wurde gleichzeitig auch die Doppelspur St. Jakob-Birsfelderstrasse (heute: «Zum Park») in Betrieb genommen, um die Betriebssicherheit zu erhöhen, nachdem am 22. Juli 1922 in der unübersichtlichen Kurve oberhalb der Haltestelle Freidorf zwei Trams frontal ineinander geprallt waren. Die Folge war ein toter Fahrgast und ein schwer verletzter Wagenführer.

Freidorf und Tramlinie sind eben erst entstanden.
Bild: Siedlungsgenossenschaft Freidorf
Beim Freidorf ereignete sich am 22. 7. 1922 auf der einspurigen Strecke ein Frontalzusammenstoss zweier Trämli.
Bild: Siedlungsgenossenschaft Freidorf
Im gleichen Jahr wurde die Strecke zwischen Birsbrücke und Haltestelle «Birsfelderstrasse» (heute «Zum Park») doppelspurig ausgebaut.
Bild: Staatsarchov BL, 02.09.1937

Der doppelspurige Betrieb auf der Strecke Birsfelderstrasse-Muttenz Dorf wurde erst am 19. November 1931 aufgenommen. Bei der Muttenzer Schlaufe entstand zusätzlich ein neues, langes Abstellgleis parallel zum Streckengleis. Am 3. Februar 1951 wurde eine doppelspurige Betonbrücke über die Birs fertiggestellt. Gleichzeitig wurde die neue, zwischen den Haltestellen Schänzli und Käppeli in den Höhlebachgraben verlegte Linie, eröffnet. Diese Verlegung der Linienführung musste erfolgen, da es notwendig wurde, die Kantonsstrasse zu verbreitern, um die prekär gewordenen Strassenverhältnisse zu lösen. Ebenfalls im Jahre 1951 wurde die Schlaufenanlage «Schänzli» in Betrieb genommen. 1978 folgte eine völlige Neukonzeption der Schlaufenanlage Schänzli. Die Schlaufe in Muttenz wurde 1997 stillgelegt und abgebrochen.

Schon früher, am 2. Juni 1937, hatte die Generalversammlung der BUeB den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft zur Entbindung der Gesellschaft von der Verpflichtung zur Fortsetzung der Strassenbahn von Pratteln nach Liestal beantragt. Damit war die Weiterführung der Strassenbahn von Pratteln nach Liestal endgültig begraben.

Die Tramkurse nach Muttenz hatten, wie seit 1916 schon jene nach St. Jakob, die Liniennummer 12. Die Bahnen nach Pratteln trugen dann die Liniennummer 14. Als nur noch moderne Triebfahrzeuge mit Kopf-Endzielanzeigern die Strecke befuhren, wurde die Liniennummer 12 aufgehoben.

 

 
Seit 1951 fährt das Tram durch den Höhlebachgraben zum Käppeli. 1976 wurde die heutige Trambrücke bis zur Station Freidorf erstellt. Mitten auf dieser Brücke wurde die Haltestelle «Hagnau» eingerichtet, welche die Haltestellen «Schänzli» und «Freidorf» ersetzen sollte. Etwa zwei Jahre lang war sie in Betrieb, danach wurde sie nach Protesten der Trambenützer wieder aufgehoben.
aus: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, S. 159, Claude Jeanmarie, Die Entwicklung der Basler Strassen- und Überlandbahnen, Basel 1969: S. 159
  Tramhaltestelle Rothausstrasse, Blick Richtung Pratteln: Die Gegend ist noch völlig unbebaut!
Foto:Museen Muttenz


Mit der Fusion der BUeB, der Birseckbahn AG, der Trambahngesellschaft Basel-Aesch AG und der Birsigtalbahn AG 1974 zur Baselland Transport AG ging die Vorortslinie an die neu gegründete Gesellschaft über. Die Bahnanlagen gehören bis zur Haltestelle «Schänzli» den BVB, die seither, wie schon erwähnt, die Tramlinie 14 ab der Haltestelle «Schänzli» im Auftrag der BLT betreiben. Die Tramlinie ist insgesamt 11.5 km lang und fährt ab Pratteln Dorf über Muttenz, St. Jakob zum Aeschenplatz und von da durch die Innenstadt weiter zur Dreirosenbrücke. Die Station Schänzli wurde auf den Fahrplanwechsel Dezember 2010 geschlossen.

Abschliessend bleibt zu erwähnen, dass sich die Erwartungen der Initianten für eine Tramlinie nach Muttenz und Pratteln vollauf erfüllt haben. Ihr Vorhaben, «kapitalkräftige Leute» ans Tram anzuschliessen, ist aufgegangen. Das Tram als praktische und rasche Verbindung zur Stadt ist auf jeden Fall nicht mehr wegzudenken.

Text: Stefan Raaflaub und Patrick Thum, Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, S. 158-160