Die Genossenschaft Freidorf ist der bedeutendste Siedlungsbau der Schweiz zwischen den Weltkriegen. Verursacht durch schnelles Wachstum der Industrie und der meist jungen Bevölkerung bestand in Basel zu Beginn des 20. Jh. grosse Wohnungsnot. Es wurden Mietskasernen mit oft hygienisch und sozial untragbaren Verhältnissen errichtet. Als Reaktion
auf diese Zustände und in Anlehnung an die aus England stammende Idee wurden Gartenstädte in Stadtnähe auf freiem Land gebaut.

Unter diesen Vorzeichen setzte Bernhard Jaeggi (1869–1944, Basler SP-Grossrat, Nationalrat, Mitglied der Direktion Verein Schweizerischer Konsumvereine VSK) seine Vision einer genossenschaftlich finanzierten Siedlung Freidorf um. Entworfen und gebaut wurde das Freidorf 1919 – 1921 vom Basler Architekten Hannes Meyer (1889 – 1954, Direktor Bauhaus Dresden 1928–30).

Jedes der 150 Einfamilienhäuser wurde mit einer Gartennutzfläche von min. 200 m2 angelegt, was einem Gesamtgartenanteil von 62% entspricht. Symbol des genossenschaftlichen Gemeinschaftsgedankens war das Genossenschaftshaus (1924) mit Laden, Schule, Bibliothek, Restaurant sowie Lehr- und Vortragssälen.

Wichtig war die Verkehrsanbindung durch das Tram mit einer eigenen Haltestelle Freidorf. Die
Einweihung der einspurigen Überlandbahn durch die St. Jakob-Strasse erfolgte am 21. Januar 1921. Mit finanzieller Beteiligung der Genossenschaft wurde 1948 das Tram in den Höhlenbachgraben verlegt. Damit wurde die Abtretung von Grünanlagen
entlang der St. Jakob-Strasse zur geplanten Verbreiterung der Strasse verhindert.

In der zweiten Hälfte des 20. Jh. erfuhr das Freidorf Umstrukturierungen und Veränderungen. Genossenschaftliche Einrichtungen wurden geschlossen, so das Restaurant (1968) und die Schule (1971). Der Laden wurde 1967 an den ACV abgetreten.

Das Genossenschaftshaus hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Bürogebäude für Firmen entwickelt. 2004/06 hat sich die Genossenschaft baulich vergrössert:
Es entstand zwischen St. Jakob-Strasse und Tram 14 ein langgezogenes Gebäude mit fünfzig
Wohnungen und einem Café. Die Wohnungen sind so gebaut, dass sie auch für ältere Bewohner/innen geeignet sind (Rosenmund + Rieder, Architekturpreis 2007 der Gemeinde Muttenz).