Burggasse 2

 In den Erinnerungen 1875 - 1945 von Johannes Iseln ist zu lesen (Manuskript S. 17):

Solang Mesmer gelebt, war der Schlüssel die angesehenste Wirtschaft gewesen in Muttenz, in der meist nur gutes Publikum verkehrte.

 

mit Bezeichnung
Original

12.7.1949, ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Friedli, Werner / LBS_H1-012533 / CC BY-SA 4.0 

«Nach Jakob Eglins Aufzeichnung über die Gasthäuser in Muttenz ist der Schlüssel das zweitälteste Wirtshaus in Muttenz. Nach einem Berain (Verzeichnis, Lagerbuch) gehörte die Liegenschaft ursprünglich zum Präsentgut des Erasmus Altars in einer Seitenkapelle des Basler Münsters und wird 1528 erstmals mit dem Inhaber Hans Brüderlin erwähnt.

Nach Eglin wurde der heutige Bau zwischen 1600 und 1620 errichtet. Der abgebrochene Scheunentorbogen trug allerdings die Jahreszahl 1688. Ferner steht im Scheitel der rundbogigen Kellertüre die Jahreszahl 1707. Die Initialen JHR weisen auf den Besitzer Johannes Rösch. Vermutlich wurde das Haus damals zum Wirtshaus.

1819 war Johannes Mesmer-Ramstein Besitzer des Schlüssels. Wie andere Wirte im Baselbiet betätigte er sich auch politisch und war einer der führenden Köpfe der Muttenzer in den Trennungswirren von 1830-33. Jedenfalls wurde er am 6. Januar 1831 in einer Versammlung in Liestal in die provisorische Regierung gewählt. Nach dem misslungenen Aufstand der Badenser anno 1848 gewährte Regierungsrat Mesmer den geflüchteten Führern der Badenser im Schlüssel Zuflucht. Muttenz und der Schlüssel wurden zu einem wahren Wallfahrtsort für Deutsche. Nach 1862 wechselte der Schlüssel mehrfach den Besitzer, bis ihn 1979 die Einwohnergemeinde Muttenz erwarb, von der ihn 1983 die Bürgergemeinde kaufte. Bereits 1950 war die Oekonomie abgebrochen und durch ein dreigeschossiges Wohnhaus ersetzt worden. Der Umbau durch die Bürgergemeinde sah die Restaurierung des Schlüssels und die Entfernung der Balkone am 1930 erstellten Wohnhaus vor.

Das dreigeschossige Wirtshaus aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts wird von einem steilen Satteldach bedeckt. Es besitzt in allen Geschossen vier Fensterachsen, wobei die Fenster an den beiden Ecken jeweils sehr schmal sind und noch gotische Hohlkehlen besitzen. Zusammen mit dem rundbogigen Eingang und dem Eckpfeiler an der Gebäudeecke wirkt die Fassade symmetrisch und trotzdem spätgotisch. Jedenfalls handelt es sich um das grösste spätgotische Gebäude von Muttenz, ein Dorf, das sich sonst vor allem im Oberdorf durch seine Kleinbauernhäuser auszeichnet. Einzig das Aushängeschild mit dem Schlüssel macht deutlich, dass das stattliche Gebäude ein Wirtshaus ist.

Anlässlich der Restaurierung wurde darauf geachtet, dass auch das Innere restauriert und nicht vollständig erneuert wird. Vor allem die Wirtsstube mit der alten Holzdielendecke und die übrige Ausstattung verleihen dem Innern eine stilvolle Atmosphäre.

Während auf der Vorderseite die Gebäudegruppe vor allem durch die Entfernung der Balkone gewonnen hat, gewann die Rückseite durch Holzerker, Lauben und neue Giebelkonstruktionen, die vor allem zur Belichtung der neuen Wohnungen dienen und sich geschickt der Muttenzer Hinterhofarchitektur einfügen. Jedenfalls ist es hier gelungen, die historische Substanz nicht nur aufzuwerten, sondern durch bescheidene Erneuerungen zu ergänzen. Mit der Restaurierung des Schlüssels durch die Bürgergemeinde Muttenz hat das Dorf nicht nur eine Dorfbeiz gewonnen, sondern einen wichtigen Bestandteil der spätmittelalterlichen Bausubstanz gerettet.»

Quelle: Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler

 

Anonymus, Heckers Aufenthaltsort zum Schlüssel in Muttenz, Lithografie und Aquarell 14,8 x 19,2 cm,

Anonymus, Heckers Aufenthaltsort zum Schlüssel in Muttenz, Lithografie und Aquarell 14,8 x 19,2 cm
Museum.BL

Das Wirtshaus zum Schlüssel (zweites Haus von rechts) um 1840. Im Schlüssel liefen die Fäden der Landschäftler zusammen. Der Wirt und Baselbieter Regierungsrat Johannes Mesmer bot 1848 dem Anführer der Badischen Revolution Friedrich Hecker nach dem Scheitern des Aufstands mehrere Wochen lang Asyl.

 

Zum Schlüssel gehörten die Parzellen No. 191-199 + 238, Katasterplan Section A von Philipp Jacob Siegfried, 1831

Zum Schlüssel gehörten die Parzellen No. 191-199 + 238, Katasterplan Section A von Philipp Jacob Siegfried, 1831
Museen Muttenz

Sect. A

No. 191, 192, 193, 194: Scheuer-Haus, Hof-Schopf und Stallplatz
No. 195: Waschhausplatz
No. 196: Kegelplatz
No. 197: Weg
No. 198: Haus- und Hofplatz
No. 199: Hausplatz
No. 238: Kräutergarten

Auf obgenannten Liegenschaften stehenden Gebäulichkelten "der Gasthof zum Schlüssel", bestehend in Scheuer u. Stallungen, Schopf, Tanzsaal, Sehlacht- und Waschhaus.


 nach 1910

nach 1910
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

nach 1910

links das anstelle der Scheune gebaute Haus von 1930
Bauverwalltung Muttenz

1985, links das anstelle der Scheune gebaute Haus von 1930

1985, links das anstelle der Scheune gebaute Haus von 1930
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

1986, Sääli

1986, Sääli
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

1997

1997
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

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