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Von der Brodlaube über die Trotte zur Bäckerei Jauslin

Aus der Broschüre von Karl Bischoff (Quellenforschung 2002) und Alphonse Masson (Redaktion 2011)
Vollständige Borschüre unten als pdf.

Am 3. März 1899 erwarb Wilhelm Müller, Bäcker, ledig, von Oberkulm/AG in Muttenz die Parzellen A 662, 663 und 664 von Emil Burkhardt, Wagner. Diese Liegenschaften mit der Bezeichnung Unterdorf Nr. 383 sind im Brandlagerbuch 1900-1911 wie folgt beschrieben

Wohnung, Werkstätte, Schopf, 2 Stock mit 6 Zimmer, 2 Küchen, 4 Mansarden und 1 Küche - 4/5 Stein 1/5 Riegel, angebaut an A A: Schopf und Laube von Holz, auf Pfosten, angebaut an 383 mit Verbindung.

Ad 383: Aus Werkstätte, 1 Wirtschaftslokal, 1 Zimmer und Küche erste//t und das übrige teilweise verändert

Aus dieser Beschreibung kann geschlossen werden, dass der Bäcker Wilhelm Müller in der erwähnten Werkstätte eine Wirtschaft einrichtete um die Vorschrift des 5 7 des Wirtschaftsgesetzes von 1889 zu erfüllen, welcher zur Führung einer Wirtschaft wenigstens ein zweck entsprechendes, ausschliesslich dem Wirtschaftsbetrieb dienendes Lokal verlangte. Der Gesuchsteller selbst hatte in bürgerlichen Ehren und Rechten zu stehen und einen guten Leumund zu besitzen. Nachdem der Gemeinderat dies vorschriftsgemäss bestätigt hatte, erteilte der Regierungsrat dem Wilhelm Müller, zusammen mit vier weiteren neuen Bewerbern, für das Jahr 1900 die Bewilligung zur Führung einer Gastwirtschaft in Muttenz. Damit steht der Beginn von «Wirtschaft & Bäckerei zur Brodlaube» fest.

Der Bäcker Friedrich Wilhelm Müller wurde Ende 1874 geboren. Er verheiratete sich im Jahr 1900 mit Emma Eglin, einer der Töchter von Johann und Karolina Eglin-Ramstein. Die beiden Kinder Hans (geb 1905) und Martha (geb 1909) verloren ihre Mutter schon 1911, erhielten aber noch im gleichen Jahr eine Stiefmutter, als ihr Vater Elisabeth Börlin, Tochter von Johann und Anna Börlin-Brügger heiratete. In der zweiten Ehe wurde 1915 Tochter Anna geboren. Wilhelm Müller starb 1842 im 68 Lebensjahr in Muttenz.

Wilhelm Müller scheint ein umtriebiger Wirt gewesen zu sein, der immer Neues anstrebte. Im Jahr 1919 wechselte er von der «Brodlaube» in das 1997 abgebrochene Restaurant Birsbrücke. 1926 bewarb er sich um das Wirtepatent für den projektierten Neubau «Steinebrüggli» und zwar durch Übertragung des Patents auf dem «Rosengarten» an der Bahnhofstrasse, welchen es ebenfalls nicht mehr gibt.

Der Regierungsrat lehnte zunächst ab, bewilligte aber nach einem Augenschein die Übertragung unter der ausdrücklichen Bedingung dass die Wirtschaft zum Rosengarten auf 1 . Juli 1927 einzugehen habe. Anstatt eines Restaurants «zum Steinebrüggli» wurde nach der am 5. Mai 1927 erfolgten Eröffnung der Radrennbahn das Restaurant «Rennbahn» gebaut. Die Radrennbahn ging nach einer kurzen sportlichen Karriere in Konkurs und wurde 1936 abgebrochen. Das Restaurant hingegen wurde damals von Wilhelm Müller ersteigert

Im Jahr 1919 verkauften Wilhelm und Elisabeth Müller-Börlin die Parzelle 662, haltend 135 m 2, mit Wohnhaus Nr. 334 samt Wirtschafts- und Bäckerei-Inventar (geschätzt auf 7574.30 Fr.) sowie die Parzelle 663/664 (Anteil 548 rn 2 ) an Konrad Hoog-Zimmermann von Obergösgen, wohnhaft in Olten, und dieser kaum ein Jahr später an Karl Locher-Hubacher, von Hasle/BE, in Walkringen/BE. In diesen beiden Kaufvertragen ist laut Fertigung vom 3. März 1899 unter anderem festgehalten: Das Durchfahrtsrecht zwischen den Häusern 354 und 355 (mit der nördlichen Nachbarliegenschaft Parzelle 661) soll in seiner bisherigen Breite zu Benutzung und Unterhalt von beiden Parteien offen bleiben, mit der Erweiterung dass sich das Durchgangsrecht gemäss Fertigung vom 4. März 1908 bis an den westlichen Fussweg erstreckt.

Im Jahr 1923 werden diese Liegenschaften mit Wirtschaft und Bäckerei Nr. 354 von August Albert Parisel und Jeanne Marie, geb. Lupfer, in Basel, erworben. Die neuen Eigentümer gehen aber bereits 1925 in Konkurs.

An der amtlichen Gant vom 9. September 1925 wird die Grundbuch-Nummer 190 mit 338 m 2 Gebäude und Hofraum und 347 m 2 Garten samt Wohnhaus Nr. 57, Bäckerei und Wirtschaft, sowie Schweinestall Nr. 57a an der Hauptstrasse von Arnold Jauslin, in Güterverbindung mit Lina Brüderlin lebend, von und in Muttenz, ersteigert. In der Schatzungsurkunde vom gleichen Tag wird die Grundbuchbezeichnung wie folgt erklärt: Die neue Grundbuch-Nummer ist aus den alten Kataster-Nummern 662 (135 m 2) und 663/664 (548 m 2) hervorgegangen (Bannvermessung).

Im Jahre 1925 hatte das Konkursamt Arlesheim die Witwe MeyerSieber mit der Weiterführung von Wirtschaft und Bäckerei bis zur Versteigerung beauftragt. Am 2. Oktober 1925 übertrug der Regierungsrat das Patent auf Hans Widmer-Gerster aus Neu-Allschwil. Drei Jahre später, am 25. Juni 1928 bringt Arnold Jauslin-Brüderlin dem Gemeindepräsidenten schriftlich «zur gefälligen Kenntnis, dass zwei meiner Söhne ab 1. April d. J. die bis anhin an Herrn Widmer-Gerster verpachtete Wirtschaft und Bäckerei an der Hauptstrasse übernehmen werden, und ersuche Sie, für die Übertragung des Wirtschaftspatentes an Walter Jauslin, geboren am 29. Aug. 1906, ledig, & Ernst Jauslin, geboren am 2. Dezember 1907, besorgt sein zu wollen». Schon am folgenden 3. Juli bewilligte der Regierungsrat die Übertragung des Wirtschaftspatentes auf Walter und Ernst Jauslin.

1933 erstmals Wirtschaft zur Trotte

Nach der Übernahme durch Walter und Ernst Jauslin wurden Wirtschaft und Bäckerei wahrscheinlich vorerst namenlos weitergeführt. Erst im kantonalen Verzeichnis von 1933 heisst ihre Wirtschaft «zur Trotte». Weshalb und woher dieser Name? Es ist sehr zu vermuten, dass sich die Jauslin beim Muttenzer Dorfhistoriker Jakob Eglin nach der Vorgeschichte des Hauses erkundigt haben. Dieser hat offensichtlich im Brandlagerbuch von 1807 die Nr. 202: Jakob Pfirter sel. Haus, Scheune, Stall, al/es Stein, 4500 Fr., eine Trotte bei der Behausung, al/es Stein, 450 Fr.» mit den Häusern bzw. Liegenschaften von Jauslin identifiziert. Diese werden gemäss den Aufzeichnungen von Jakob Eglin schon früher erwähnt: 1528 im Besitz der St.-Erasmus Kapplanei des Basler Münsters, dann im Spitalberein und 1775 im Kirchenberein.

Zu finden ist das aus der Häuserzeile des Unterdorfes bis fast zur Strasse vorragende Haus jedenfalls schon auf der Skizze, welche 1678 Georg Friedrich Meyer vom «Dorf Muttentz» angefertigt hat. Wann allerdings aus der 1807 erwähnten Trotte die 1899 von Wilhelm Müller gekaufte und zur Wirtschaft umgebaute Werkstätte geworden ist, kann nicht gesagt werden. Vermutlich kurz vor dem Kauf, denn im Katasterbuch um 1900 findet man die Liegenschaften von Jakob Pfirter gew. Gemeinderat noch mit Haus und Hof, Trotte und Schopf, verzeichnet.

03.11.1953 Erbengemeinschaft Witwe Lina Jauslin-Brüderlin und di 5 Kinder Arnold Jauslin-Noning, Lausanne, Lina Graber-Jauslin, Dornach, Martha Jauslin, ledig, Biel, Walter Jauslin-Mrti, Muttenz, Ernst Jauslin-Rudin, Muttenz.

24.03.1964 Ausscheidungsvertrag: Ernst Jauslin-Rudin übernimmt.                                                                                 

Am 1. Januar 1966 übergaben Ernst und Mimi Jauslin-Rudin die Bäckerei-Konditorei an Ueli und Ursula Jauslin-Graf, in deren Besitz die Liegenschaft sich auch heute noch befindet.

Bis 1964 existierte die Wirtschaft «zur Trotte» mit eingebauter Bäckerei. Der kleine Laden befand sich in der Nordostecke des Gebäudes mit Eingang in der in der Nordfassade. 1964 wurde das Restaurant aufgegeben und die ganze Bäckerei erweitert.

29.09.1965 Ulirch Jauslin, ledig übernimmt

1. Januar 2009 Bäckerei Berger ehem. Bäckerei Berger aus Augst

März 2003, Foto Barbara Sorg, Heimatkunde Muttenz 2009

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