Fabrikgebäude mit Hochkamin. Am unteren Rand liegt das Haus «Zum Rosengarten» an der Bahnhofstrasse No. 39 . 18.9.1924

Fotograf: Mittelholzer, Walter ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Siftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Mittelholzer, Walter / LBS_MH03-0651 / Public Domain Mar, Ausschnitt

Die Firma Senn - Hiltbold & Cie. in Basel hat das Land an der Bahnhofstrasse, Sekt. B 233-236,B 291, mit einer Fläche von 36 a 80 m2 durch Kaufvertrag vom 26. Mai 1899 von

Emil & Lina Ramstein - Plattner, Wirt & Metzger zum Rebstock ,
Simon & Fanny Weiller - Geismar, Viehändler
Fritz & Elise Meyer - Hauser, Kaufmann, und
Samuel & Rosa Jourdan, Baumeister,
alle in Muttenz, zum Preise von Fr. 15’578.70 erworben.

Erinnerungen zur Familie Weiller, Viehhändler:

Besitzer oder Pächter dieses Bauernhofes (siehe Luftbild von 1924) und diverser Viehweiden waren die Gebrüder Hans und Hermann Weiller die eine Viehandlung betrieben. Hans war ein sehr introvertierter Typ während Hermann (Männi) ein leutseliger Mensch und glänzender Witzerzähler war. Beide trugen immer einen Hut und darunter die Kippa. Männi war beinamputiert und ging an Krücken. Das leere Hosenbein war mit einer Sicherheitsadel am Hosenbund befestigt, was uns Kinder sehr beindruckt hat.

Ich war ab etwa 10 Jahren oft auf diesem Hof und habe mitgearbeitet und melken gelernt. Den Bauernhof mit den zum Verkauf stehenden Kühen und den zum Güterschuppen angebauten Muni-Stall wurde von Ernst Senn und seiner Frau bewirtschaftet. Gekaufte Kühe wurden von ihm mit einem von Pferden gezogenen Viehwagen im ganzen Baselbiet abgeholt. Zu meiner Zeit lebte er mit seiner Frau unter einfachsten Verhältnissen in seinem Hof. In der Küche gab es nur einen Kaltwasserhahn. Ernst Senn war, im Gegensatz zu seiner Frau, ein sehr netter Mann und Pferdeliebhaber. Die Weillers kauften immer Pferde mit Macken, weil sie günstiger waren, Schläger und Beisser etc., aber Senn hatte diese bald im Griff.

Ein Senn-Sohn Paul, war Schmied und wohnte an der Baselstrasse. Er hat bis zu seiner Pensionierung beim Haslebacher-Schmied gearbeitet. Eine Senn Tochter hat den Bauer Wüthrich vom Eigentalhof geheiratet. Diese oder eine andere Senn Tochter hat mit Weiller-Pferden erfolgreich an Trabrennen teilgenommen.

Ruedi Bürgin, Muttenz

 

Senn - Hiltbold & Cie. in Basel hat in der Folge am 17. Juni 1899 dem Gemeinderat ein Baugesuch eingereicht für die Erstellung eines Fabrikgebäudes. Gegen das Baugesuch wurden 3 Einsprachen erhoben von Paul Juillerat, Benedikt Schwob und Emma Hauser. Am 25. August 1899 wurde die Baubewilligung, gemäss abgeänderten Plänen erteilt, so dass anzunehmen ist, dass das Gebäude im Verlauf des Jahres 1899-1900 erstellt worden ist.

Senn - Hiltbold hat offenbar, wie ein Bericht der Schweizer Bauzeitung über die Gewerbeausstellung 1901 in Basel zeigt, Möbel und Ähnliches hergestellt.

Das Kunstgewerbe an der Basler Gewerbeausstellung 1901
Schweizerische Bauzeitung 37/38, 1901
e-periodica.ch, http://doi.org/10.5169/seals-22772

Durch Kaufvertrag vom 22. Februar 1917 ist die Liegenschaft von den Ehegenossen Emil Senn und Emma geb. Hiltbold, zur Zeit in San Francisko (Amerika) (siehe Kaufvertrag) an die Firma Vereinigte Farben- & Lackfabriken, offene Handelsgesellschaft in München und Strassbrurg, mit Schweiz. Filialsitz in Basel übergegangen, zum Preise von Fr. 106’000.-. Am 24. April 1954 ist die Liegenschaft von der Firma Vereinigte Farben- & Lackfabriken an die Firma Flamuco übergegangen und am 7. Januar 1976 hat die Fa. Flamuco - Merz AG die Legenschaft an Werner Sutter - Leixner verkauft und zog in der Folge nach Pratteln.

Die Fabrikgebäulichkeiten wurden anfangs Mai 1982 abgebrochen und das Land mit Wohnblöcken überbaut.

(Notizen von T. Schenk, 11 . Mai 1982)

1974 übernahm Flamuco-Merz AG den Spies Hecker Vertrieb für die Schweiz. Aus Flamuco-Merz wurde dann die Spies Hecker AG, Spies Hecker GmbH, dann DuPont International. Im Jahr 2010 ging die DuPont International zum Importeur CH Coatings AG über, welche heute zur Axalta Coating Systems Switzerland gehört.

  mit Anschrift, auf Bild klicken für grosses Bild
8.9.1924, Links unten im Bild ist das Haus Bahnhofstrasse No. 39 zum Rosengarten (Restaurant P. Juillerat) erkennbar. Rechts befindet sich die Firma JuMut (Produktion von Seife, Oelen und Putzmittel)
Fotograf: Mittelholzer, Walter ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Siftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Mittelholzer, Walter / LBS_MH03-0651 / Public Domain Mark
 
 
April 1982, Flamuco AG vor dem Abbruch
Hans Imbeck-Kobi, Muttenz, Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0
29.04.1982, Abbruch der Flamuco AG
Hans Imbeck-Kobi, Muttenz, Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0
29.04.1982, Abbruch der Flamuco AG
Hans Imbeck-Kobi, Muttenz, Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0
29.04.1982, Nach dem Abbruch
Hans Imbeck-Kobi, Muttenz, Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0
 
Wohnhäuser am ehemaligen Standort der
Flamuco AG
Foto Hanspeter Meier, 2020
 
 

 

Kaufvertrag vom 22. Februar 1917