Reigen vor der alten katholischen Kirche im Hinterzweien - wahrscheinlich um 1939, gleicher Filmautor wie Eierläset (1939)

 

 

© Filme: Museen Muttenz

Eierläset Traditionen überleben nur, wenn sich jemand darum bemüht, sie aufrechtzuerhalten. Dem grossen Einsatz des Turnvereins ist es zu verdanken, dass der Muttenzer Eierlauf seit über 130 Jahren jährlich stattfinden kann.5 In der Woche nach Ostern werden von den Turnerinnen und Turnern an allen Haustüren Eier gesammelt oder ersatzweise Geldspenden erbeten, um am darauf folgenden Sonntag den traditionellen Eierlauf durchführen zu können. Das Eierläset ist ein Brauch, der wohl zurückzuführen ist auf die Zeit, als man vor Ostern die Fastenwochen einzuhalten hatte. Während dieser Tage war das Essen von Eiern verboten. Nach Ostern hatte man einen grossen Eiervorrat, den man möglichst rasch aufbrauchen wollte, was bei einem Wettkampf auf spielerische Art vonstatten ging. Der Brauch ist vor allem im Baselbiet weit verbreitet.

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© Helen Liebendörfer, Muttenz

Das Eierläset wird von den Mitgliedern des Turnvereins sowie einer gegnerischen Gruppe bestritten. Auf der Strasse im Oberdorf sind die rohen Eier in zwei langen Reihen ausgelegt? darunter jedes zehnte Ei farbig? und sie müssen einzeln eingesammelt und gezielt in einen mit Spreu gefüllten grossen Korb geworfen werden. Jedes Ei, das sein Ziel verfehlt, wird in der Reihe wieder ersetzt. Die zu laufende Strecke erfordert läuferischen Einsatz und Kondition. Die Gruppe, welche zuerst fertig ist mit der Eierläset, hat gewonnen. Danach geniessen das Publikum und die Läuferinnen und Läufer zusammen die Eier. Als Einstimmung zum Wettkampf werden von der Jugend des TV Muttenz mit viel Plausch und Spass verschiedene Kinderparcours durchgeführt. Dazu spielt der Musikverein populäre Melodien für die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer, welche gespannt und mit anfeuernden Zurufen das Geschehen verfolgen.

Seit jeher wurde jährlich einmal der Bann abgeschritten, um die Grenzsteine zu kontrollieren: «Nach alter Übung sollen alle Jahre am Auffahrtstag die Bannumgänge abgehalten
werden» (Gescheidsordnung von 1806).
Vor der Reformation (1529) erfüllte der Bannumgang eine doppelte Aufgabe, einerseits eine religiöse, bei welcher der Priester mit den Gläubigen beim Umgang den Segen auf die Fluren herabflehte, andererseits galt es, die Gemeindegrenzen zu kontrollieren und sie auch der jungen Generation einzuprägen. Nach der Reformation wurde der Bannumgang zur Kontrolle der Grenzsteine weitergeführt.
Die Obrigkeit legte stets grossen Wert auf die Durchführung des Bannumgangs und erklärte ihn zur Pflicht.

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© Fotos Barbara Sorg und Helen Liebendörfer, Muttenz

Auch heutzutage ist der Banntag ein grosser, festlicher Anlass im Jahr der Gemeinde. Die Bürgergemeinde organisiert ihn jedes Jahr am Auffahrtstag. Nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner besammeln sich auf dem Gemeindeplatz, sondern auch von weither kommende Heimweh-Muttenzer, die zu diesem speziellen Anlass anreisen.
In verschiedenen Rotten wandert man den Grenzen entlang und steckt zu den Grenzsteinen jeweils einen Buchenzweig.

Der Bannstein wird «angesungen» mit den traditionellen Worten:
«Do stoht dr Muttenzer Bannstei,
d’Hübelirutscher hei e kein,
si hei en hinterem Ofe, Ofe,
die Gmein cha eus ins Füdle blose, blose.»

Je nach Nachbargemeinde wird der Vers abgewandelt:
Die «Hübelirutscher» sind die Münchensteiner, «d’Chrützlischisser» die katholische Gemeinde Gempen, und schliesslich stossen noch die «Pratteler Chreeze» an den Bann.
Auf dem Sulzchopf treffen alle Rotten zusammen und werden von den Vereinen mit Speis und Trank verköstigt.
Jung und Alt verbringen bis in die Abendstunden ein frohes Fest, man politisiert oder frischt Erinnerungen auf und geniesst den weiten Blick ins Tal und aufs Dorf.

Maitanz Zur Tradition geworden ist auch der am ersten Sonntag im Mai durchgeführte Maitanz auf dem Platz vor dem Gemeindezentrum. Um einen grossen Maibaum, der mit farbigen Baselbieter «Sydebändel» geschmückt ist, tanzt der Muttenzer Trachtenverein und erfreut ein zahlreich anwesendes Publikum. Dazwischen singt der Frauenchor stimmungsvolle Frühlingslieder. Als Höhepunkt folgt schliesslich der Bändeltanz. Dabei halten die Tänzerinnen und Tänzer die Seidenbändel des Maibaums in der Hand und während sie sich tanzend im Kreis um den Baum bewegen, flechten sich die Bänder zu einem Muster um den Baumstamm, welches schliesslich tanzenderweise auch wieder aufgelöst wird. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, welche den spannenden Vorgang verfolgten, spenden begeistert Applaus. Die Dorfbrunnen werden zu diesem Anlass alle mit farbenfrohen Maibäumchen geschmückt.

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 Fotos Helen Liebendörfer, Muttenz

Film H.P. Meier, 2014

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