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Auhafen/Rheinschifffahrt

Schon mit der Ausbauetappe II im Rheinhafen Au (ab 1950) machten sich erste Veränderungen und Probleme in der Rheinschifffahrt bemerkbar. Die Kohle als Schüttgut wurde zunehmend durch Erdölprodukte als Flüssiggut ersetzt. Auch im Auhafen entstanden nun neu Löschanlagen und Tanks für Erdölprodukte. Zudem wurde die Ladekapazität der neuen Schiffe von durchschnittlich 750 bis 1 200 t auf 1 500 - über 2 000 t erhöht. Das erzeugte eine Überkapazität besonders an älteren Schiffen. Daher wurden auch Abwrack-Aktionen durchgeführt. Und nicht zuletzt liess Deutschland entgegen der Mannheimer Akte (freie Rheinschifffahrt) für den Schiffsverkehr zwischen deutschen Häfen nur noch Schiffe der Europäischen Gemeinschaft zu. Um die Rheinschifffahrt trotzdem rentabel zu halten, entstand um 1955 das Basler Projekt der Hochrheinschifffahrt zwischen Basel, dem Bodensee und dem Genfersee. Das Projekt war kühn, doch die Kosten noch kühner. Daher blieb es beim Projekt. Der Schrumpfungsprozess war nicht aufzuhalten: 1967 waren im Basler Schiffsregister für die Rheinschifffahrt 9 Reedereien mit total 253 Schiffen registriert, 1970 waren es noch 3 Reedereien mit 91 Schiffen.

Im letzten Kapitel haben wir die Ansiedlung von neuen Betrieben in Muttenz bis 1950 als bescheiden bezeichnet. Nun schlugen auch in Muttenz die «fetten Jahre» durch. Ein Vergleich der Ragionenbücher für die Jahre von ca. 1955 bis 1970 zeigt für Muttenz eine rasante Zunahme von 36 Eintragungen auf 354 Eintragungen (1970). Dabei blieb die bisher festgestellte, breite Diversifikation bestehen.

Tab.5: Zunahme von industriellen Betrieben von 1955 – 1970

Betrieb 1955 1970
Textilindustrie 0 1
Metalle/Maschinen 11 19
Elektrische Apparate 2 6
Produktion von chem. Produkten 6 16
Nahrungs- und Genussmittelindustrie 7 7
Industrie von Holz/Papier 8 8
Industrie von Erden und Steinen 2 7

Neu stiessen im Ragionenbuch 1970 auch Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe dazu.

Als Gewerbebetriebe waren 1970 eingetragen:
Tab. 6: Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe 1970
(summarisch)

Gewerbebetriebe Anzahl Betriebe 1970
Baugewerbe 35
Gartenbau 12
Reparaturgewerbe 9
Gastgewerbe 24
Spedition/Transport/Lager 23
Übriges Gewerbe 36, davon 2 Druckereien
Dienstleistungsbetriebe  
Detailhandelsbetriebe 47
Engroshandelsbetriebe 24
Betriebe für Verwaltungen
und Beratungen
22


Die Schwerpunkte der Industrie lagen bei der Metall-, Maschinen- und Apparateindustrie sowie bei der chemischen Industrie, alles Exportindustrien. Die Schwerpunkte beim Gewerbe lagen beim Bau, beim Gartenbau und beim Speditions-, Transport- und Lagergewerbe. Die Fluktuation von angesiedelten und abgegangenen Betrieben zwischen 1955 und 1970 war trotz der Boomjahre bis 1970 relativ gering. Von den 36 im Jahre 1955 erwähnten Betrieben existierten 1970 noch deren 26, was einer Fluktuationsrate von «nur» 28 % entspricht.
Um auch die Entwicklung in den einzelnen Industrie- und Wirtschaftsquartieren darstellen zu können, haben wir nach den obigen Schwerpunkten und auch nach dem Zufallsprinzip im Ragionenbuch aus der Gesamtzahl von 121 neuen Betrieben (1950 – 60) und von 129 neuen Betrieben (1960 – 70) je 32 Betriebe pro Jahrzehnt ausgewählt. Dabei beziehen sich in der folgenden Aufstellung die Zahlen in Klammern hinter den Quartieren jeweils auf die Anzahl Betriebe des Jahres 1955. Die Klammerzahlen hinter den einzelnen Branchen zeigen die 2007 noch existierenden Firmen an.