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Entwicklung der Gewerbequartiere
Um die Entwicklung von 1980 – 2003 in den einzelnen Gewerbequartieren feststellen zu können, haben wir wie schon im vorigen Kapitel für die zwischen 1980 und 2003 neu eingetragenen 694 Betriebe nach den obigen Schwerpunkten und nach dem Zufallsprinzip eine Auswahl von 94 Betrieben getroffen und deren Verteilung auf die einzelnen Quartiere untersucht.16 Die Jahrzahl in Klammern bedeutet das Jahr des Eintrages im Ragionenbuch. (s.Karte)

Freuler
Im Freulerquartier finden wir aus unserer Stichprobe insgesamt 6 neue Betriebe, davon 2 der Pharmabranche, sowie 1 Computer-, 1 Kunststoff -, 1 Autotechnik- und 1 Grosshandelsfirma. Eine der Pharmafirmen, nämlich «Roche Vitamine Europa AG» (1998/2002) existiert schon nicht mehr, denn Roche hat 2003 ihr ganzes Vitamingeschäft an die holländische Firma DSM verkauft.

Schänzli
Im Schänzligebiet finden sich aus der Stichprobe nach dem Wegzug von BMW nach Aesch 5 neue Betriebe, nämlich 2 Transport- und Speditionsfirmen, 2 grafische Betriebe und 1 Reinigungsfirma.

Muttenz West
In Muttenz West finden sich aus der Stichprobe insgesamt 43 neue Betriebe, davon 15 der Transport- und Speditions-, 9 aus der Metall- und Maschinen-, 5 aus der chemisch-pharmazeutischen-, 4 aus der  Handels- und 3 aus der grafischen Branche. Dazu kommen 1 Betrieb der Fachhochschule Muttenz sowie 6 weitere aus diversen Geschäftszweigen.
Bei den Handelsfirmen sind im Ragionenbuch von 2003 noch drei Firmen eingetragen (Kiosk AG 1994/2001, Azed und Merkur je 2002), welche heute unter dem Konzernnamen Valora zusammengefasst sind. Diese Valora hat am 29. August 2008 bekanntgegeben, dass sie einen Umzug von 300 Arbeitsplätzen nach Egerkingen plant. Gründe dazu sind eine für die Schweiz zentrale Lage sowie dank genügend Ausbaufläche mehr Effizienz, und nicht zuletzt die teilweise Umlagerung der Transporte von der Strasse zur Bahn. Viele Grenzgänger sind von dieser Aussiedlung betroffen. Daher scheint dieser Verlust von insgesamt 400 Arbeitsplätzen die Gemeinde Muttenz nicht allzu sehr zu schmerzen. Man sei mit rund 14 000 Arbeitsplätzen immer noch die Nummer 1 im Baselbiet, meint ein Zuständiger der Gemeinde.

Muttenz Ost
In Muttenz Ost zählen wir aus der Stichprobe 25 neue Unternehmen. 8 gehören der Transport- und Speditions-, je 4 der Metall- und Maschinen- sowie der chemisch-pharmazeutischen und 3 der  aubranche an. Je ein Betrieb stammt aus dem Bereich von Recycling, Plastik, Ausbaugewerbe, Steine/Erden, Grafik und Gartenbau.

Zentrum und Muttenz Süd
Im Zentrum und in Muttenz Süd gibt es in der Stichprobe nur 3 Neuzuzüge, je 1 Betrieb der Pharma- und Transportbranche sowie einen des Ausbaugewerbes

Schweizerhalle
In Schweizerhalle finden wir heute (2008) anstelle von Sandoz und CIBA-Geigy acht neue Namen, die alle der  chemisch-pharmazeutischen Branche angehören: Novartis Pharma (1997/2001), CIBA Spezialitäten (1997/2002), Clariant Schweiz und International (1995/2002), Syngenta (1997/2001), sowie Bayer, Huntsman, Valorec und Solvias (4, welche nicht im Ragionenbuch unter Muttenz figurieren).
Eine Folge der Globalisierung war die 1996 vollzogene Fusion von Sandoz und CIBA-Geigy zu Novartis. Die neue Firma strebte eine Beschränkung (Fokussierung) auf das Pharma-Kerngeschäft an. Die nicht mehr passenden und ausgegliederten Teile wurden entweder verkauft oder in neue Firmen integriert. Bei Ciba-Geigy waren davon zum Beispiel Ilford (Fotogeschäft), Airwick (Haushaltgeräte), elektronische  Geräte und Bauchemikalien betroffen. Daraus entstand die neue CIBA SC (Spezialitätenchemie) Andererseits wurde aus dem Chemikaliendepartement der Sandoz die neue Firma «Clariant» gebildet. 2000  wurde aus der neuen CIBA SC die Sparte «Performance und Polymere» an die ausländische Vantico verkauft. Da sich dieses Gebiet offensichtlich als schwierig erwies, verkaufte Vantico dieses 2003 weiter an die US Firma Huntsman. Diese übernahm von CIBA SC 2006 auch noch die Produktion der Farbstoffe. Ob Huntsman, wie sie heute gerne möchte, die Polymer- und Farbensparte weiterverkaufen kann, hängt von einem noch nicht getroffenen Entscheid der EU-Kommission ab.
1999 kaufte Novartis die Pflanzenschutzfirma AstraZeneca,
verband diese mit ihrem Agribusiness-Departement und bildete damit die neue Firma Syngenta, welche sich der Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln sowie klassischen wie auch genveränderten Saatgutsorten widmet. 2008 wurde nicht nur verkauft, sondern auch zugekauft. So kaufte Clariant die US Firma Rite Systems (Kunststoffe)/Ricon Colours. Auch Novartis konnte dank der amerikanischen Immobilienkrise die durch «spinn off» 1998 aus ihr selbst entstandene Firma Speedel zurückkaufen, um deren umsatzstarke Blutdruckmittel allein vermarkten zu können. Die neu in Schweizerhalle erscheinende Firma Bayer ist mit der Basler Chemie verhängt. So können einzig Valorec und Solvias als wirklich neue, jedoch in Basel registrierte Firmen in Schweizerhalle gelten. Da Clariant und CIBA SC ähnliche Geschäftsbereiche aufweisen, konkurrenzierten sie sich oft direkt. Beide Firmen entwickelten sich daher mehr schlecht als recht. Als CIBA SC Mitte 2008 erstmals einen Verlust meldete, wurde sie im globalisierten Fusionszirkus zu einem Übernahmekandidaten. Schon im September lag ein Angebot von BASF Ludwigshafen vor, das der Verwaltungsrat der CIBA gerne annahm. Sollten auch die Aktionäre die Übernahme akzeptieren, so wird vermutlich der Traditionsname CIBA 2009 auch in Schweizerhalle bald nicht mehr existieren. Die Arbeitsplätze wären in diesem Falle bei CIBA SC nur noch für  anderthalb Jahre garantiert.

Auhafen
Auch im Auhafen blieb die Zeit nicht stehen. Die ursprünglich in Muttenz ansässige Firma Sihelco verlegte ihren Sitz nach Birsfelden. 1982 dagegen eröffneten hier die Landor AG (landwirtschaftliche Produktionsmittel) und die Roderer Transport AG ihre Geschäftssitze. Die Letztgenannte fügte 1988 noch die Roderer Lagerhaus AG hinzu. In jüngster Zeit stiess einzig noch die «alpavert» dazu. Diese geringe Entwicklung deutet auf eine Stagnation in der Rheinschiffahrt hin. Zwar wurde ab 1980 die Schleppendgültig von der Schubschifffahrt abgelöst. 1986 wurde zudem das in Basel geführte Schiffsregister durch ein Bundesgesetz geregelt. Und mit der Container-Schifffahrt versuchten ab 1985 die zu Logistikfirmen umgemodelten ursprünglichen Reedereien auch Stückgüter im Containerverkehr auf den Rhein  zu locken.
Ungleiche Kostenstrukturen zwischen Bahn und Schifffahrt verhindern bis heute einen kostendeckenden Verkehr für Massengüter auf dem Rhein. Die Gewinne müssen durch Logistikleistungen hereingeholt werden. Die Hoffnungen, welche speziell auf den Containerverkehr gesetzt worden waren, wurden ebenfalls enttäuscht, nicht durch Bahnsubventionen, sondern durch einen immer noch nicht behobenen Engpass im Rotterdamer Hafen. Das Jahr 2008 brachte den Rheinhäfen um Basel zwei Neuerungen. Zum einen wurden die Häfen von Basel-Land mit denen von Basel-Stadt unter eine einzige Leitung, dem Rheinschifffahrtsamt, gestellt. Ausserdem musste wegen des Ausbaus des Novartis-Campus auf dem ehemaligen St. Johann-Industrieareal der älteste der Basler Rheinhäfen im St. Johann stillgelegt werden. Da im Basler Klybeckareal geringe Ausbaukapazitäten bestehen, werden die Hafenaktivitäten nun vermehrt auch in den Birsfelder- und den Auhafen verlegt werden müssen.