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Neue Betriebe
Obwohl von 1924 –1929 eine wirtschaftliche Aufschwungphase herrschte, nahm die Zahl der Beschäftigten von 1920 –1929 leicht von 22 809 auf 20 096 ab. Die Bandindustrie war schon seit 1918 notleidend - die Muttenzer Pendler gingen zur Firma De Bary nach Basel - und die anderen Branchen konnten dies nur mit Mühe ausgleichen. Während dieser Zeit wurden in Muttenz fünf neue Firmen gegründet. Davon existieren heute noch deren zwei, nämlich die Kohlenhandelsfirma E. Schenk (1926) und die Speditionsfirma Spedag (1928). Zwei weitere, heute verschwundene Firmen stiessen etwas später dazu, nämlich die Papierwarenfabrik Frey (1928) und die Teigwarenfabrik Dalang (1927/28). Dass sich nicht nur neue Firmen, sondern auch Geschäfte, denen es in Basel zu eng geworden war, in Muttenz ansiedelten, sei an der Teigwarenfabrik Dalang erläutert. Schon 1850 produzierte in Basel der Bäckermeister Niklaus Dalang (zugleich Wirt und Fechtmeister) eigene Hausmachernudeln. 1894 produzierte der Betrieb bereits 200 kg/Tag und 1919 1000 kg/Tag.
Für eine Ausdehnung des Betriebes fehlte in Basel der Platz. So entschlossen sich die Nachkommen, 1927/8 in Muttenz eine Teigwarenfabrik zu errichten, welche 3000 – 4 000 kg/Tag produzieren konnte. 1935 wurde die Unternehmung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und von 1939 bis 1945 sukzessive erweitert. 1964 fabrizierte die «Eduard Dalang Teigwarenfabrik AG» täglich 12 t Teigwaren.

Der «schwarze Freitag» an der New Yorker Börse von 1929 bremste den Aufschwung und liess die Wirtschaft zwischen 1933 und 1936 in eine «Depression von unerhörtem Ausmasse» absinken.
Die Arbeitslosenzahlen von 1930 – 1936 zeigen ein deutliches Bild der damaligen wirtschaftlichen Situation. Im Jahr 1929 betrug sie im Kanton Basel-Landschaft im Jahresdurchschnitt 609 und im Jahr 1930 bereits 1018 (gemäss Bericht Regierungsrat). Auf den 1. Januar 1931 trat im Kanton eine Arbeitslosenversicherung in Kraft, welche für Einkommen unter Fr. 5 000.- obligatorisch war. Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen der neuen Versicherung in den Jahren 1931 – 1937 zeigt die folgende Tabelle:
Tab. 2: Arbeitslosenzahlen 1931 – 1937

Jahr Anzahl
Arbeitslose
1931 4 264
1932 7 338
1933 6 712
1934 5 514
1935 7 089
1936 7 449
1937 5 558

Das Aufkommen eines neuen Protektionismus verursachte eine Schrumpfung der Exporte. Dadurch wurde die weltweite Depression auch im Baselbiet in voller Härte spürbar. Sie erreichte ihren Tiefstpunkt im Jahre 1936. Die Gemeinde Muttenz versuchte diese Arbeitslosigkeit durch Notstandsarbeiten etwas zu mildern. So wurde unter anderem die Kanalisation in der Gemeinde durch solche Arbeiten erstellt.
1936, am tiefsten Punkt der Rezession, wurde der Schweizerfranken um 30 % abgewertet. Obwohl alle wirtschaftlichen Vorzeichen negativ waren, siedelten sich in diesem Zeitpunkt erneut sechs Betriebe in Muttenz an:

  • Brechtbühl Transporte AG (1930),
  • die heute noch bestehende Firma Meyer-Spinnler Kies- und Sandwerke (1931),
  • die Blechwaren- und Metallfabrik BMW im Schänzli (1935),
  • die Herkules Nahrungsmittelfabrik (1935),
  • die Darmsortiererei Läuchli (1935) sowie
  • die Firma Metallbau Koller (1936).

Zwischen 1937 und 1939 hatte die Abwertung des Schweizerfrankens eine langsame Erholung der Wirtschaft zur Folge. Die nun durchgestandene Krise war aber so tiefgreifend, dass die Wirtschaftszahlen  von 1939 noch immer unter den Werten von 1929 lagen. Ein Vergleich der Betriebszählungen von 1929 und 1939 zeigt zwar im Kanton eine kleine Zunahme der Betriebe von 2 269 auf 2339, jedoch eine  Abnahme der Beschäftigten von 20 096 auf 18 667.
In Muttenz zeigte sich in diesen zwei Jahren dank Neuzuzügen von Unternehmen ein wesentlich besseres Bild: 1937 trugen sich die Prodag für chemische Produkte und die heute noch bestehende Firma Leumann & Uhlmann, Fabrik für elektrische Apparate, sowie 1938 die Schlosserei Gautschi und 1939 das Tiefbauunternehmen Hunziker ins Muttenzer Handelsregister ein.
Im Gemeindearchiv fand sich ein Verzeichnis von Muttenzer Fabrikbetrieben des Jahres 1938, das vermutlich für die Fabrikzählung 1939 angefertigt wurde.

Tab. 3: Muttenzer Fabrikbetriebe 193812

Betrieb Arbeiter Angestellte
Schweiz. Metallurgische Gesellschaft,
Giesserei
21 8
Haass AG Fassfabrik 51 3
Dachpappenfabrik und chem.-techn. Werke 40 16
Gysin Rudolf Cie. Farben und Lacke 4 1
Jundt-Metzler Jakob, chem.-techn. Produkte 5 2
Senglet August, Spirituosen und Liköre 3 1
Vereinigte Farben- und Lackfabriken 7 10
Christen, Zementwaren 43 7
BMW Schänzli 24 1
Dalang Ed.,Teigwarenfabrik 50 10

Erstaunlich sind dabei die Angaben über den Wohnort der in diesen Fabrikbetrieben Beschäftigten. Von total 248 Arbeitern wohnten nur 84 in Muttenz, 164 kamen täglich von auswärts. Ähnliche Verhältnisse herrschten auch bei den Angestellten. Dort kamen von insgesamt 59 Angestellten deren 47 von auswärts. Und das in der typischen Auspendlergemeinde Muttenz! Das Verzeichnis enthält auch Angaben über die lokalen Gewerbe.