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Aus dem Jubiläumsheft "50 Jahre Milchgenossenschaft Muttenz, 1910-1960"

Die Vorläufer und Verwandten der Milchgenossenschaft

Der Hauptgrund, dass die Milchgenossenschaft sich lange nicht auf weitere Zweige genossenschaftlicher Tätigkeit verbreitet hat, war wohl das Bestehen einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Diese wurde am 13. März 1888 als landwirtschaftlicher Ortsverein gegründet. Sie betrieb die Vermittlung landwirtschaftlicher Hilfsstoffe. Mit dem An- und Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse hat sie sich aber auch nie befaßt. Für letztere war neben dem Direktverkauf, der auch heute noch weitgehend verbreitet ist, der private Handel tätig.

Lange Zeit war das Depot bei Familie Pfirter in der Liegenschaft des heutigen Restaurants zur Waage untergebracht. Dann übernahm es Jean Brüderlin-Gottstein an der Burggasse. Er führte neben der Warenausgabe auch das Kassawesen bis zum Zusammenschluß mit der Milchgenossenschaft. Am 24. Januar 1946 kam es zum Fusionsbeschluss. Von beiden Vorständen wurde ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Somit war die Verschmelzung der beiden Organisationen vollzogen und unter dem Namen Milchgenossenschaft Muttenz nahm die Tätigkeit ihren Fortgang. Der Zusammenschluß war auch insofern gegeben, indem beide Organisationen mit wenig Ausnahmen die gleichen Mitglieder in ihren Reihen hatten. Die Milchgenossenschaft erhöhte mit der Fusion die Mitgliederzahl des Vorstandes von fünf auf sieben.

Gründung und Entwicklung der Milchgenossenschaft Muttenz

«Am 16. Januar 1910 um 1 Uhr eröffnete der Präsident der Viehversicherungsgesellschaft, Niklaus Schaub-Haberer, im alten Schulhaus eine konstituierende Versammlung der Milchproduzenten.» So lesen wir auf Seite 1 des ersten Protokollbuches der Milchgenossenschaft Muttenz. Einstimmig beschloß diese Versammlung die Gründung einer Milchgenossenschaft.

Der Anfang

Von der Gründungsversammlung im Januar bis zur Aufnahme des Betriebes am 30. April hatte der Vorstand elf Vorstandssitzungen und sieben Generalversammlungen zu bewältigen. Der Bau des Milchhüslis ist in der gleichen Zeit auch erstellt worden.
Das Bauland für das zu erstellende Milchlokal wurde Fr. 33.— pro Quadratmeter von K. Ifert erworben. Dann wurde gegen den Bau auch Einsprache von Seiten eines Anstößers erhoben. Doch hier konnte bald eine Einigung erreicht werden und das Milchhüsli, wie wir es bis zu seinem Abbruch im Jahre 1958 kannten, wurde gebaut.

Allerdings mußte am ersten Tag die Milch unter freiem Himmel angenommen und ausgemessen werden, da der Bau noch nicht bezugsbereit war. Während an der ersten Generalversammlung 55 Teilnehmer ihren Beitritt schriftlich erklärten, finden wir auf der Eintrittsliste vom 1. Mai 1910 schon 70 Namen. Diese Lieferanten besaßen zusammen 226 Kühe. Als erster Milchsammler wurde Wilhelm Haller-Rudin gewählt. Ihm wurde ein Reglement für seine Obliegenheiten aufgestellt. Sein Jahresgehalt setzte man vorerst mit Fr. 1500.— fest. Bald mußte aber der untere Dorftei! mit einem Fuhrwerk bedient werden. So wurde dem Milchsammler schon im Juli des ersten Jahres das Gehalt auf Fr. 2400.— erhöht. Die Vorteile der organisierten Milchproduzenten wurden bald auch von den abseits stehenden bemerkt, denn in jeder Versammlung lagen Aufnahmegesuche zur Genehmigung vor. Auch ein heftiger Milchkrieg, der einige Jahre dauerte, setzte ein. Die Birsecksche Consumgenossenschaft von Oberwil brachte auswärtige Milch nach Muttenz und die Milchgenossenschaft ihrerseits mußte im Dorf produzierte Milch ausführen. Es kam bis zum Bundesgerichtsentscheid, der zu Gunsten der einheimischen Milchproduzenten ausfiel.

Eintrittsliste vom 1. Mai 1910

  Stück Vieh     Stück
1. Joh. Aebin-Schenk 2   37. Leupin-Schneider 2
2. Rud. Baer 2   38. Wilh. Leupin 2
3. Witwe Beieler -   39. Lüdin-Hunziker 2
4. Joh. Brunner-Meier 6   40. Lüthin-Scholer 1
5. Jul. Brunner-Schmid 5   41. Wwe. Mesmer-Brüderlin 2
6. Joh. Brüderlin-Straubhar 2   42. D. Mesmer-Mesmer 2
7. Joh. Brüderlin-Basier 6   43. J. Mesmer-Meier 2
8. J. Buser-Weiß 2   44. J. Mesmer-Schenk 2
9. Benj. Bussinger 3   45. F. Meier-Lüscher 2
10. J. Eglin-Pfirter 6   46. S. Meier-Mesmer 9
1 1 . Fr. Frei-Jauslin 2   47. J. Meier-Regenaß 3
12. E. Glinz-Balsiger 2   48. Wwe. Pfirter-Hammel 2
13. Rud. Gloor-Kohler 2   49. Ed. Pfirter-Leupin 2
14. Nat. Grollimund 2   50. Alb. Rudin-Leupin -
15. E. Gruber-Scholer 2   51. Nikl. Schaub-Haberer 3
16. Joh. Gruber-Weber 3   52. E. Schenk-Schwob 1
17. Daniel Gyger 17   53. Joh. Schmutz 6
18. Fried. Gysin 4   54. E. Schorr-Eglin 6
19. Wwe. Gysin-Scholer 2   55. E. Schorr-Grieder 7
20. Jak. Häfeli 14   56. W. Seiler-Schmid 2
21. Wilh. Haller 1   57. Seiler-Rickli 1
22. Karl Handschin 4   58. Wwe. Spänhauer 6
23. Fr. Hauser-Leupin 3   59. J. Vogt-Stohler 3
24. Otto Hunziker 1   60. D. Tschudin-Gisin 3
25. Joh. Jauslin-Heid 2   61 . Gottfr. Tschudin 2
26. Ad. Jausiin-Jauslin 1   62. Tschudin-Strub -
27. Eman. Jauslin-Mesmer 2   63. Vogt-Baumann  1
28. Gottl. Jauslin-Vogt 6   64. Arnold Vogt 3
29. Jak. Jauslin-Weber 3   65. W. Wagner-Hunziker 3
30. Karl Ifert-Stingelin 3   66. Weber-Hemmig 5
31. Alb. Iselin-Thommet 1   67. Weber-Weber 8
32. O. Laubscher-Spaenhauer 4   68. Rob. Zeller 2
33. N. Leupin-Fluhbacher 2   69. Zeller-Mory 1
34. Karl Leupin 3   70. J. Singeisen 3
35. Ernst Leupin-Lüdin 5   71. Wwe. Portmann 3
36. J. Leupin-Seiler 2   Total 229

Aus dem Betrieb der Jubilarin

Gleich zu Beginn des Milchverkaufs wurden Milchmarken angeschafft. Zuerst verkaufte der Kassier die Milchmarken von ein und zwei Liter an die Verbraucher. Der Milchsammler durfte für die abgegebene Milch nur Milchmarken entgegen nehmen. Später wurden zwei Milchmarken-Verkaufsstellen geschaffen. Die eine wurde von H. Maag, Schuhmacher, die zweite von E. Heller-Balsiger betreut. Dieses Markensystem behauptete sich bis im Februar 1934. Der erste Milchpreis für den Konsumenten wurde auf 23 Rappen festgesetzt. Der Produzent erhielt anfänglich 19 Rappen. Durch Vermittlung des Milchverbandes konnte die überschüssige Milch an den Consumverein Basel geliefert werden. Bald wurde der Konkurrenz wegen die Kundschaft an der St. Jakobstraße, Bahnhof- und Prattelerstraße mit dem Fuhrwerk bedient.

Im Jahre 1912 unternahm der Vorstand Schritte, um das Milchlokal zu erweitern. Es sollten zwei Räume geschaffen werden. Der eine für die Milchannahme und der zweite für den Verkauf. Auch für die Milchuntersuchungen wurde ein Raum verlangt. Doch scheiterte dies, weil die Nachbarn nicht gewillt waren, weiteres Land abzutreten.

Der Krieg 1914/18 brachte eine Wendung, indem der Oberwiler Consumverein auf das Milchausmessen in Muttenz verzichtete und die Truppeneinquartierungen so viel Milch erforderten, daß der Zivilbevölkerung nicht mehr genügend Milch zur Verfügung stand. Nach vielen Bemühungen des Vorstandes wies der Milchverband im Jahre 1920 unserer Genossenschaft endlich eine Fernmilch zu. Während in den ersten Jahren 250 bis 500 Liter Milch täglich von Muttenz nach der Stadt Basel abgeliefert werden konnten, war nun für Muttenz zu wenig da. Die Genossenschaft Aeschenbach lieferte ab Station Kleindietwil der Milchgenossenschaft Muttenz täglich 700 bis 800 Liter. Der Vorstand der Genossenschaft war gezwungen, gegen 100 neue Milchkannen anzuschaffen, um den Austausch bewerkstelligen zu können. Später, als der Nahrungsmittelmangel wieder behoben war und der Uberfluß an seine Stelle trat, mußte die Uberschußmilch verarbeitet werden. Man entschloß sich für die Zentrifuge. Den Rahm lieferte man dem Milchverband in Basel. Zwar hatte man ein großes Butterfaß angeschafft, aber das Modellieren und Verpacken schien für so kleine Quantitäten nicht wirtschaftlich. Mit dem 1. November 1918 wurde die Milchrationierung angeordnet und brachte dem Kassier, den Markenverkäufern und dem Milchsammler eine große Mehrarbeit.

Nach dem Kriege begann ein rapides Anwachsen der Gemeinde, und der Platzmangel im Milchhüsli wurde zur Kalamität. Erst im April 1923 gelang es, die Nachbarliegenschaft J. Eglin's Erben zu erwerben. Nach längerer Umbauzeit konnte in dieser Liegenschaft ein Verkaufslokal und eine Milchannahme getrennt bezogen werden. Dem Milchsammler mußte auch ein Pferdestall zur Verfügung stehen. In den dreißiger Jahren mußte er drei Fuhrwerke einsetzen, um die ganze Gemeinde in angemessener Zeit bedienen zu können. Es erscheint heute merkwürdig, daß mit dem Umbau in den zwanziger Jahren nicht eine Ausweitung des Geschäftes auf mindestens sämtliche Milchprodukte unternommen wurde. Es kann dies nur so erklärt werden, daß dem privaten Handel nicht Konkurrenz gemacht werden sollte. Doch wären gerade in den dreißiger Krisenjahren mit der großen Sorge für den Absatz der Milch- und Milchprodukte und auch anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse Spezialgeschäfte von großem Nutzen gewesen. Noch im Februar 1941 wurde ein Vorschlag eines jungen Vorstandsmitgliedes, es sollten im Laden auch Butter, Käse und Eier geführt werden, abgewiesen. So kam es erst im Dezember 1952 dazu, daß der Laden an der Hauptstraße während des ganzen Tages geöffnet wurde und sämtliche Milchprodukte, Eier, Honig etc. zum Verkaufe angeboten wurden. Die enorme bauliche Entwicklung im Bahnhofquartier zwang die Verwaltung, dort eine Filiale zu errichten. Diese wurde am 20. Dezember 1954 eröffnet und erfreut sich einer guten Entwicklung. Schon vor dem Kriege schaffte die Genossenschaft auch einige landwirtschaftliche Maschinen wie Sämaschine, Walzen, Kultivator etc. an, welche von den Mitgliedern gegen ein Mietgeld benutzt werden können. Während des Krieges, als man von Anbauschlacht sprach, kam auch das Begehren, eine eigene Dreschmaschine zu halten. Diese wurde aber erst im Sommer 1951 eingesetzt und hat sich seither für die Getreidepflanzer in Muttenz aufs beste bewährt. Mit den letzten baulichen Veränderungen der Milchgenossenschaft wurde auch ein Gemeinschaftsgefrierraum eingerichtet. Dieser brachte unseren Hausfrauen eine große Erleichterung in der Konservierung von Fleisch, Gemüse, Beeren und Obst. Sie wird daher auch rege benützt.

Die Betreuer des Betriebes

Der erste Milchsammler des «Milchhüsli» war Wilhelm Haller-Rudin. Nach den Aufzeichnungen gab es anfänglich einige Schwierigkeiten, dann kam auch der Erste Weltkrieg, gegen dessen Ende die Milchversorgung der Rationierung unterstellt wurde. Haller trat auf den 1. September 1918 zurück. An seine Stelle trat das Ehepaar Johann Schenk-Dietrich. Schon im Frühling 1921 mußte die Milchsammlerstelle wieder neu besetzt werden. Die Wahl fiel auf Gottlieb Jauslin-Straub. Im September 1927 wurde die Milchsammlerstelle wiederum ausgeschrieben. Aus fünf Anmeldungen wählte die Generalversammlung Karl Eglin-Hammel. In seine Funktionszeit fiel das große Anwachsen der Gemeinde. Während er anfänglich mit einem Fuhrwerk alles bedienen konnte, mußte er bald ein zweites und ein drittes einsetzen. Er hatte die Pferde und Wagen zu stellen und mußte auch das Personal selbst bezahlen. Lange Zeit bediente Frau Gysin mit einem Pferdefuhrwerk. Dann trat auch der Sohn des Milchsammlers Franz Eglin ein Fuhrwerk an. Später mußte die Genossenschaft zu Ablösungen für Urlaubstage Bauernsöhne aus den Reihen der Mitglieder aufbieten. Wir finden Namen wie Jakob Jauslin jun., Alfred Würgler, Hermann Bringold. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Wehrmänner unter die Fahnen gerufen wurden, kam es wie überall auch zu Einschränkungen im Kundendienst. Karl Eglin kündigte als Milchsammler und wollte nur noch mit einem Pferd eine selbständige Tour übernehmen. So wurde auch ein weiterer Milchführer angestellt und am 2. März 1941 fiel die Wahl auf Karl Leupin. Dieser war bereits bei Eglin als Hilfe angestellt. Die Stelle des Milchsammlers wurde als Verwalterstelle der Milchzentrale ausgeschrieben. Aus 64 Bewerbern wählte die Generalversammlung vom 2. März 1941 aus einem Dreiervorschlag des Vorstandes Hans Heinimann-Degen aus Bennwil. Karl Leupin übernahm den zu gleicher Zeit angeschafften ersten Elektrowagen. Heinimann und Leupin wurden fest angestellt, während Karl Eglin und Sohn Franz je eine Milchtour gegen Provision übernahmen. Auf den 1. Dezember 1943 wurde halbtagweise Jakob Wüthrich-Schmid angesteiit zur Bedienung der Wartenbergkundschaft mit einem leichten Zweiräderwagen. 1946 kam dann die Fusion mit der landwirtschaftlichen Genossenschaft. Da wurde Wüthrich auch die Produktenausgabe übergeben. Wilhelm Bringold-Meyer übernahm nach dem Tode von Karl Eglin dessen Milchtour mit dem neu angeschafften zweiten Elektrowagen. Bei seinem Rücktritt trat für einige Jahre Hermann Stämpfli in den Dienst der Milchgenossenschaft. Rasch wuchs die Gemeinde, und auch die Ansprüche an die Bedienung stiegen in der Nachkriegszeit bedeutend, so daß weitere Wagen und die Filiale Gründen in Betrieb genommen wurden. Allmählich führten auch die Wagen Käse, Butter, Flaschenmilch, Rahm und Eier mit. Heute sind 14 Angestellte im Betrieb tätig.

Die Liegenschaften der Milchgenossenschaft Muttenz

Bei der Entstehung des «Milchhüsli» wurde hauptsächlich auf eine zentrale Lage Rücksicht genommen. Dabei wurde der Bauplatz von K. Ifert an der Hauptstraße mit Fr. 33.— pro Quadratmeter recht teuer bezahlt. Ein großer Nachteil aber zeigte sich schon wenige Jahre später: es konnte nicht erweitert werden. Erst im Jahre 1923 konnte die Liegenschaft der Familie Jakob Eglin's Erben an der Steigerung für Fr. 35 000.— gekauft werden. Noch im gleichen Jahr stimmte die Generalversammlung auch dem Kauf der angrenzenden Liegenschaft Ludishauser für Fr. 7000.— zu. Diese wurde aber wegen Zufahrtschwierigkeiten und um vor dem Geschäft einen freien Platz gegen die Hauptstraße zu schaffen, sofort abgebrochen. Während des Zweiten Weltkrieges ergab sich die Möglichkeit, von den Geschwistern Mesmer im Brühl einen Streifen Land von 367 Quadratmeter zu Fr. 13.— westlich der Liegenschaft zu erwerben. Schon damals bestand der Wunsch in Kreisen der Getreidepflanzer, eine Dorfdrescherei anzuschaffen, eventuell westlich der Milchzentrale einen Dreschschopf zu bauen, um mit dem Dreschgut dorthin fahren zu können. Deshalb wurde eine Zufahrt von Westen begrüßt und auch diesem Kauf die Genehmigung erteilt. Als auch das Begehren nach einer Milchverkaufsstelle im Brüggli drängte, war dort das Land meist schon in den Händen der Spekulation. Es gelang aber der Kauf des Hauses Nr. 19 an der Gründenstraße von der Familie Grieder für Fr. 68 000.—. Als großer Landkauf kam am 18. Dezember 1954 die nördlich unserer Parzelle Milchzentrale angrenzende Liegenschaft Süßtrunk mit zirka 24 Aren. Im vergangenen März 1960 fanden sich unsere Mitglieder wiederum zusammen um dem Kauf eines Landstückes im Käppeliboden die Genehmigung zu erteilen. Die bauliche Entwicklung ist in jenem Gebiete so groß, daß in absehbarer Zeit auch dort eine Verkaufsstelle geschaffen werden muß. Die Möglichkeit der Erweiterung unserer Milchzentrale scheint mit dieser Landreserve auch bei einer Gesamtüberbauung der Gemeinde Muttenz gesichert zu sein.

Gebäude, Einrichtungen und Fuhrpark

Vom alten «Milchhüsli» wissen wir, daß es von Baumeister Samuel Jourdan und Sohn erstellt wurde für den Betrag von Fr. 2870.—. Die notwendigen Gerätschaften lieferte die Firma H. Bächler aus Zürich. Mit dem Ankauf der Liegenschaft Eglin kam der erste große Umbau. Mit der Molkereieinrichtung kostete das Fr. 72 500.—. Bald wurde auch eine Kühlanlage notwendig. Diese wurde 1927 von der Firma Autofrigor in Zürich geliefert und hat ihren Dienst bis 1955 versehen. Das alte Milchlokal wurde in ein Schlachtlokal umgebaut und der Viehversicherungskasse für Notschlachtungen zur Verfügung gestellt. Später wurde es Lager für landwirtschaftliche Hilfsstoffe. Im Jahre 1937 wurde an Stelle der Schiebewaage für die Milchannahme eine automatische Waage eingebaut. Diese schaltete manche Uneinigkeit zwischen Milchsammler und Lieferanten aus.

Knapp vor dem Zweiten Weltkrieg kam es zu großen Diskussionen wegen der Umstellung vom Pferdefuhrwerk zum Automobil. Es war etwas ganz Neues. 1941 wurde das erste Elektromobil in Betrieb genommen. Die Firma Oehler in Aarau lieferte Wagen und Ladestation für Fr. 15 000.—. Dieser bewährte sich gut, so daß im Sommer 1945, als wieder eine Erweiterung nötig wurde. der Vorstand von der Generalversammlung wiederum einen Kredit von Fr. 20 000.— für einen zweiten Oehlerwagen, ebenfalls mit Ladestation, verlangte. Zwei Jahre später mußte wieder an die Anschaffung eines Fahrzeuges herangetreten werden. Das Pferdefuhrwerk, welches den Wartenberg bediente, war für Mann und Pferd sehr ungeeignet und bot bei Regen und Schnee absolut keinen Schutz. Auch ertrug es keine Mehrbelastung. So entschloß man sich zum Ankauf eines Jeep-Willys. Dazu wurde auch ein Anhänger, mit welchem man die Milch und Milchprodukte vom Milchverband abholen kann, angeschafft. Auch die landwirtschaftlichen Hilfsstoffe aus dem Verbandsdepot im Dreispitz konnten so besser herantransportiert werden. Lieferfirma für den Jeep war die Keller AG in Basel und den Anhänger lieferte Merz aus Dulliken AG. Im letzten Jahrzehnt kamen die großen Kreditbegehren. Für den Laden- und Wohnungsumbau, neuen Kellereingang, Waschraum, Baderaum, Käsekeller und Fassadenrenovation an der Hauptstraße benötigte man die runde Zahl von Fr. 100 000.— Jedermann war aber erfreut, daß nun für den Konsumenten der schöne Laden wie alle andern Geschäfte während des ganzen Tages offen stand. Schon ein Jahr später kam der Ankauf der Liegenschaft Grieder an der Gründenstraße. 

Sofort wurde ein Ladenbau projektiert. Viele Schwierigkeiten mußten bis zum Baubeginn überwunden werden. Von Seiten der Gemeinde, der Baupolizei in Liestal und der Nachbarn wurden Einsprachen erhoben und es erforderte manche Sitzungen, Augenscheine, Besprechungen und Abänderungen, bis endlich vor Weihnachten 1954 auch die Filiale Gründen eröffnet werden konnte. Weil der Filialleiter auch eine Milchtour übernehmen mußte, kam der Kauf eines weitern Elektrowagens und der Bau einer Garage dazu. Später mußte der Filialleiterfamilie ein weiteres Zimmer zur Verfügung gestellt werden. Es erfolgte ein Aufbau über dem Ladengeschäft. Ständig hielt der Bevölkerungszuwachs an und im Milchkonsum kam es zu einer gewissen Umstellung auf pasteurisierte Flaschenmilch. Dazu wurde aber ein größerer Kühlraum notwendig. In der Milchzentrale war glücklicherweise genügend Platz. In einem großzügigen Umbauprojekt konnte der neue Kühlraum wirklich groß erstellt werden. Am 2. Juli 1955 beauftragte die Generalversammlung den Vorstand, den Ausbau der Milchzentrale ausführen zu lassen und bewilligte einen Kredit von Fr. 100 000.—. Zum erwähnten großen Kühlraum wurde auch ein leistungsfähigerer Milchkühler, ein Milchtank von 2500 Liter Inhalt und eine Kannenwaschmaschine angeschafft. Auch die Heißwasseranlage mußte damit bedeutend größer gewählt werden. Der Kühlraum in diesem Ausmaß erlaubte, daß jedem Milchführer ein Fach zugeteilt werden kann, so daß auch die Warenübergabe erleichtert wurde. Der Wagenpark mußte 1956 nochmals erweitert werden und es kam zum Kauf eines Honomag-Diesel-Lastwagens mit drei Tonnen Tragkraft. In diesem Moment wurde die Garagierungsmöglichkeit zum Problem. Vorläufig stellte man den Lastwagen in die Scheune SüBtrunk. 1957 mußte wieder eine neue Milchtour eingeführt werden und es kam zur Bestellung des vierten Elektrowagens mit Ladestation. So ging der Vorstand an das Studium eines Projektes für Garagen. Schon beim Umbau der Zentrale im Jahre 1955 wurde von den Mitgliedern der Bau eines Gemeinschaftsgefrierraumes angeregt. Für den Handel mit landwirtschaftlichen Hilfsstoffen fehlten auch Magazin- und Kellerraum. Es war klar, daß ein Plan für die Gesamtüberbauung studiert werden mußte, damit bei der anhaltenden Entwicklung spätere Erweiterungen nicht verunmöglicht würden. Von Herrn Architekt R. Thüring aus Flüh wurde in Verbindung mit Herrn Lörtscher vom Milchverband eine Planskizze entworfen. In der Folge erhielt Herr Thüring auch den Auftrag, ein Projekt für Garagen, Kellerräume, Magazine und Gemeinschaftsgefrierraum auszuarbeiten und einen Kostenvoranschlag aufzustellen. Später wurde noch eine Benzin- und Dieselöltankanlage einbezogen. Für den Wagenpark wurde in der Lastwagengarage auch eine Wasch- und Schmieranlage und für den arentransport in Magazin und Keller ein Warenlift vorgesehen. Die Generalversammlung vom 3. Mai 1958 im Hotel Rößli stimmte diesem letzten und größten Bauvorhaben zu und bewilligte einstimmig den Kredit von Fr. 258 000.—.

Bei der großen Anzahl Fuhrwerke wurde es notwendig, einen Ersatzwagen betriebsbereit zu haben. Eine Panne, ein Unfall oder außerordentlicher Kundendienst können den Betrieb empfindlich stören. So bestellte die Genossenschaft bei der Firma H. Hauser in Wiedlisbach SO einen Borgward, der als rascher Mehrzweckwagen ausgebaut ist. Er kann sämtliche Elektrowagen, eventuell auch die Pferdefuhrwerke in der Ebene, aber auch den Jeep im Wartenberg ersetzen, ferner für Bestellungen bei Großbezügern, die rasch erledigt werden müssen, eingesetzt werden. Endlich können auch im Milchverband und Depot Dreispitz rasch benötigte Waren abgeholt werden. In allen diesen Entwicklungsperioden brachte die Genossenschaft erhebliche Mittel zum Einsatz. Dankbar sind wir wiederum dem Milchverband, der uns an technische Einrichtungen, die den Absatz der Milch- und Milchprodukte fördern, auch einige Beiträge zur Verfügung stellte, welche sich im Rahmen der Verbandsbeschlüsse hielten.

Landmaschinen

Mit dem Mehranbau übernahm die Milchgenossenschaft den Ankauf einzelner Landmaschinen und stellte sie den Landwirten gegen ein bescheidenes Mietgeld zur Verfügung. Mit Ackerwalzen, Kultivator, Spatenrolleggen fing es an. Später kamen eine Igelwalze, eine Sämaschine etc. dazu. Lange drängten die Bauern zur Anschaffung einer Dorfdrescherei. Es wurde 1951 erstmals die von Müller in Bättwil angekaufte Dechentreiter Drilling eingesetzt. Sie hat sich gut bewährt und wird jeweils von einem Angestellten der Genossenschaft betreut. Den Viehbesitzern steht auch ein neuer Viehwagen zur Verfügung, der von der Firma Haslebacher in Muttenz erstellt wurde. In unserer verkehrsreichen Ortschaft ist der Viehtransportwagen zur unbedingten Notwendigkeit geworden.

Milchmann Emil Frauchiger bringt die frische Milch mit seinem 1 PS-Wagen zu den verschiedenen Haushalten in und ausserhalb des Dorfes. Er transportiert neben Milchprodukten auch Neuigkeiten.

Fuhrpark mit Garagen, links hinter der Vierergruppe der Jeep-Willys für die Milchauslieferung am Wartenberg

Von links nach rechts, vordere Reihe: Otto Tschumi-Förderer, Fritz Zaugg-Moser, Hans Nägeli-Mani, Herr und Frau Frauchiger-Schwob, Filialleiter Gründen, Herr und Frau Heinimann-Degen, Karl Leupin-Graf, Franz Egiin-Seidl; hintere Reihe: Hermann Spieß-Sutter, Eduard Kreuzweger, Verwalter, Werner Jaun-von Känel, Hans Koller-Zavotti, Hans Brunner-Leuenberger.

 
Im Dezember 1975 löste der «Milchexpress» die legendären Elektrowagen ab.


1993 wurde der «Milchmann» Hans Brunner pensioniert. Der Milchexpress fuhr anschliessend nur noch kurze Zeit.   

Bestand am 30. April 1960

Name Wohnort Mitglied seit
Ankli-Kamber Alfred Hinter Wartenberg 1947
Banga-Liechti Walter Unter Gruet 1942
Brüderlin-Dettwiler Hans Prattelerstraße 1930
Brüderlin-Gottstein Jean Burggasse 1918
Brunner-Grollimund Fritz Baselstraße 1926
Brunner-Imhof Jakob Baselstraße 1954
Dettwiler-Brüderlin Reinhard Mühlehof 1947
Dreyer-Buser Familie Kirchplatz * 1928
Eglin-Seidl Franz Hauptstraße 1942
Frey-Oser Max Hauptstraße 1932
Gerber-Balsiger Hans Rothaus 1931
Gerber-Liechti Daniel Weiherhof 1943
Gerber-Bueß Alfred Stettbrunnenhof 1941
Grollimund Gebrüder Weiherweg 1933
Jauslin-Gerster Hans Kirchplatz 1929
Frank-Iselin Stephan Gempengasse 1946
Häfeli-Schmid Jakob Sulzhof 1940
Lüthi Henri Weiherweg 1956
Meyer & Bringold zur Waage 1935
Rudin-Dürr Fritz Oberdorf 1957
Schäfer-Fankhauser Hans Paradieshof 1951
Singeisen-Bielser Jean Hauptstraße 1942
Salathe-Weber Fritz Hauptstraße 1927
Schenk-Mangold Ernst Hauptstraße * 1926
Schorr-Eglin Ernst Kirchplatz 1910
Vogt Geschwister Muhlackerweg 1947
Wagner-Wagner Karl Pfaffenmattweg * 1912
Wagner-Jauslin Karl Geispelgasse 1958
Würgler-Liechti Alfred Jakobshof 1936
Wüthrich-Gysin Julius Mühlackerweg 1937
Wüthrich-Senn Fritz Eigentalhof 1953

* Heute nicht mehr Milchlieferanten

Hans Brüderlin-Gottstein, Vizepräsident; Jakob Häferli-Schmid; Hans Gerber-Balsiger, Präsident; Hans Jauslin-Gerster; Walter Banga-Liechti, Aktuar; Karl Wagner-Wagner, Kassier; Hans Brüderlin-Dettwiler. 1960

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