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Der Rothallenweiher entstand vermutlich infolge einer Auswaschung von Gips im Felsuntergrund (gipshaltige Keuper-Gesteine). Da der herausgelöste Hohlraum nicht genügend stabil war, brach er in sich zusammen und bildete eine Doline (Einsturztrichter). Diese füllte sich mit Wasser, weil hier die Deckenschotter von einer wasserdichten Lehmschicht überdeckt sind.

Der Weiher ist schon im Plan  «von dem Bezirck Waldung das Kirchholtz, 1808, von J.J. Schäfer» als «Weierlin» eingezeichnet.

MZ 6279 1
Foto: Hanspeter Meier, 13.2.2008 Das Weierlin, Plan von dem Bezirck Waldung das Kirchholtz genannt, 1808, von J.J. Schäfer
Karte Museen Muttenz
In der geologischen Karte von 1984 wird der Weiher als Einsturztrichter bezeichnet.

Die Wasserzufuhr erfolgt vermutlich unter dem Wasserspiegel vom Weihergrund oder von der Seite her. Die Ufervegetation fehlte ursprünglich weitgehend. Sie konnte sich erst entwickeln, als Anfang der 1990er-Jahre einige Pflanzen eingebracht und zur Verbesserung des Lichteinfalls die ufernahen Buchen entfernt wurden.


Foto: Hanspeter Meier, 13.2.2008

Die fragmentarisch ausgebildete Röhricht-Gesellschaft setzte sich anfangs der 1990er-Jahre aus Gelber Iris, Rohrkolben, Igelkolben und Flatterbinse zusammen. Heute ist der Röhrichtsaum wieder verarmt. Auch die Schwimmblatt-Gesellschaft mit Seerose, Schwimmendem Laichkraut und Ährigem Tausendblatt ist verschwunden.

Laichballen
Foto: Hanspeter Meier, 13.2.2008
Laichballen und Grasfrosch
Foto: Hanspeter Meier, 13.2.2008

Zur Paarungszeit im März findet sich im Weiher jährlich eine grosse Grasfroschpopulation zu ihrem Laichgeschäft ein. Die zahlreichen Laichballen können jeweils mehrere Quadratmeter der Wasserfläche bedecken.

Das Naturschutzgebiet hat eine grosse Bedeutung für altholzbewohnende Arten wie Fledermäuse, Spechte und Bockkäfer. Zudem weist es eine aussergewöhnliche Vielfalt an Pilzarten auf. Deshalb drängt sich eine verstärkte Lenkung der Erholungsnutzung auf, denn die Vegetationsdecke ist in der Umgebung des Rothallenweihers bereits stark geschädigt. Eine derart starke Trittbelastung beeinträchtigt nicht nur die Pilzflora, sondern das Bodenleben insgesamt.

Das Naturschutzgebiet Rütihard-Rothallen

Text aus Heimatkunde Muttenz 2009, S.64, Autor Paul Imbeck

Literaturtipp: Muttenzer Höhenweg: Rothallenweiher Kap. 17

Sagewäg: 7. Der Rothallenweiher

Ehemalige Besucherführung mit Steg und neuer Zugang 2023


Bildquelle: Muttenzer Anzeiger vom 22. Juli 2011

Im Dezember 2011 beschloss die Gemeindeversammlung, dass beim Rothallenweiher zum Schutz des Waldes die Besucher nicht mehr auf dem Boden, sondern so zu lenken sind, dass das Naturschutzgebiet auf einem Steg begangen wird. So kann sich der Waldboden in diesem Gebiet erholen und Unterholz und Sträucher können (nach-)wachsen.

Im Juli 2011 wurden mit Hilfe von Schülerinnen und Schülern dieser Steg gebaut.

Im März 2023 wurde ein neuer, direkter Zugang zum Weiher geschaffen. Dürre Äste, Kronenteile und ganze Bäume drohen im Bereich der Altholzinsel rund um den Weiher herabzustürzen. Die Altholzinsel gehört zum Naturschutzgebiet Rütihard-Rothallen. Dere Steg wurde abgebrochen.

Der neue Weg ist mit rot-gelb markierten Pfählen ab dem Rothallenweg gekennzeichnet und endet beim Rothallenweiher (Sackgasse). Aus Sicherheitsgründen und der Natur zuliebe soll das Gebiet nur über diesen Weg betreten werden. Am Ende des Weges lädt ein Baumstamm zum Verweilen und Beobachten der wertvollen Natur rund um den Weiher ein.
Quelle: Gemeinde Muttenz


 

 

 

 

 

Sanierung des Rothallenweihers abgeschlossen

«-on. —- In Absprache mit dem Kantonalen Amt für Naturschutz und Denkmalpflege und der Subkommission Landschaft der beratenden Natur- und Umweltschutzkommission hat der Bürgerrat im Laufe des Sommers den Rothallenweiher sanieren lassen. Die Einwohnergemeinde unterstützte dieses Vorhaben mit einem Beitrag von 20'000 Franken. Ziel dieser Aktion — die nicht unerwartet zu voreiligen und von wenig Sachkenntnis belasteten Protesten gegen die «Zerstörung eines Stücks unberührter Natur» geführt hat (auch wenn diese «unberührte Natur» vorwiegend aus Faulschlamm bestand) — war die Wiederherstellung des Rothallenweihers durch Ausräumen des Faulschlammes und Schaffung einer grösseren Lichtung um den Weiher. Damit sollte nicht zuletzt ein Lebensraum für Amphibien gesichert werden.

Im Frühsommer wurde das Wasser des Weihers, der weder einen natürlichen Zu- noch Ablauf hat, abgepumpt und unzählige Kubikmeter Schlamm ausgebaggert. Nach der gründlichen Reinigung der Senke — die weder eine Sagengestalt noch sonst etwas Spektakuläres ans Licht brachte —, der Abfuhr des inzwischen getrockneten Schlamms, der Errichtung einer Umzäunung und dem Einsammeln der an Ort und Stelle «entsorgten» Flaschen und anderen Abfällen, wurde vergangene Woche der Weiher mit Birswasser wieder aufgefüllt.


Mit grossem «Geschirr» wurde der Weiher ausgebaggert.

Dies geschah im Rahmen einer Zivilschutz-Übung an welcher unter der Leitung von Carlo Sisti, Dienstchef Transport, neun Mann beteiligt waren. Der Aufbau der Transportleitung von der Birs zum Rothallenweiher nahm inklusive Probeläufe eineinhalb Tage in Anspruch. Für die rund 1,5 km lange Strecke mussten nicht weniger als 180 75-mm-Rohre verlegt werden. Zur Überwindung der 120 Meter Höhendifferenz wurden zwei Motorpumpen zwischengeschaltet mit einer Leistung von 1400 Liter Wasser pro Minute. Die Pumpen wurden am Abend jeweils abgebaut und ausgewechselt, so dass schliesslich alle Zivilschutz-Motorpumpen einem Dauertest unterzogen werden konnten. Diese Übung erlaubte auch die Funktionstüchtigkeit des Rohr- und Schlauchmaterials zu überprüfen.


Die 75-mm-Leitung förderte 1400 Liter pro Minute.

Innert zwei Tagen wurden an die 8000 Kubikmeter Wasser in den Weiher gepumpt, dessen tiefste Stelle etwa fünf Meter unter dem Wasserspiegel liegt. Der Übungsleiter äusserte sich lobend über den tollen Einsatz seiner Mannen, und wir geben seinen Dank für das vorbildliche Verhalten gerne weiter. Der sanierte Rothallenweiher mit den umgebenden Bänken und Feuerstellen ist wieder zu einer idyllischen Oase im Muttenzer Bürgerwald geworden, zu welcher die echten Freunde der Natur Sorge tragen werden.»

Quelle: Muttenzer Anzeiger 11.11.1988


 

 

 

 

 

Aus der Maturaarbeit von Jesse Schröer

Der Autor untersuchte 2025 die aktuelle Tiefe des Rothallenweihers mittels Echolot.

Geheimnisse des Muttenzer Rothallenweihers Eine bathymetrische Untersuchung (Jesse Schröer) 7
Abbildung 4.1:
Echolot-Liveanzeige: Kippwinkel → schräger Schallweg, Tiefe ungenau.

Quelle: eigene Aufnahme Schröer (Deeper-App, 2025).
Abbildung 4.2: Messaufbau: Deeper-CHIRP-Handecholot zwischen zwei Drachenschnüren; Stabilisierung durch Schaumstoff-Schwimmkörper.
Quelle: eigene Aufnahme Schröer (2025).

Messung
«Die Vermessung folgte dem bereits erprobten 1×1m-Raster. Zwei Teammitglieder positionierten sich an gegenüberliegenden Ufern; die metermarkierten Schnüre wurden straff gespannt, das Echolot mittig befestigt. Entlang der ersten Transekten (y-Richtung) wurde das Gerät in präzisen 1m-Schritten geführt: Auf Kommando zog die eine Seite bis zur nächsten Markierung ein, während die Gegenseite synchron ablaufen liess. An jeder vollen Marke erfolgte die Tiefenablesung. Das dritte Teammitglied übernahm die Protokollierung in eine Tabelle nach „Schiffe-versenken“-Logik (Spalten A, B, C, ... als x, Zeilen 1,2, 3, ... als y); gleichzeitig wurde der Live-Bildschirm des Echolots zur Plausibilitätskontrolle beobachtet. Nach Abschluss einer Linie wurde um exakt 1m seitlich versetzt und die nächste Linie in Gegenrichtung gemessen. Durch dieses alternierende „Hin-und-her“-Vorgehen blieb die
Rüstzeit minimal, und die Schnüre behielten eine gleichmässige Spannung. Bereits nach wenigen Linien stellte sich ein konstanter Arbeitsrhythmus ein (Ansage — Stopp — Notieren — Weiter). »

Geheimnisse des Muttenzer Rothallenweihers Eine bathymetrische Untersuchung (Jesse Schröer) 11
Abbildung 5.1: Querschnitt des Rothallenweihers mit Tiefenlinien im 0,38 m-Intervall. Maximale
Tiefe: 1,9m; vertikale Überhöhung der z-Achse: Faktor 3,25. Quelle: eigene
Darstellung (2025).
Abbildung 5.2: Bathymetrische Karte in Draufsicht: Dunkelblau = tief, Hellblau = flach. Tiefenstufen
je 0,38m; gestrichelte Achsen markieren Referenzprofile. Quelle: eigene Darstellung
(2025).
Geheimnisse des Muttenzer Rothallenweihers Eine bathymetrische Untersuchung (Jesse Schröer) 12
Abbildung 5.3: 3D-Modell des Rothallenweihers mit farbcodierter Tiefe und stilisierter Umgebung.
Vertikale Überhöhung zur besseren Lesbarkeit Quelle: eigene Darstellung (2025).

Ergebnis
«Das fertige 3D-Modell des Rothallenweihers erlaubt nicht nur eine visuelle Darstellung der Unterwasserform, sondern auch die Berechnung von grundlegenden morphometrischen Kennzahlen, also messbare Grössen zur Beschreibung der Form von Strukturen, in unserem Falle des Weihers. Besonders auffällig ist die geringe maximale Tiefe des Weihers, welche lediglich bei 1,9m liegt. Damit bestätigt sich, dass es sich heute um ein ausgesprochen flaches Gewässer handelt. Die Durchschnittstiefe liegt bei 1,03m, was zeigt, dass ein grosser Teil der Wasserfläche in sehr seichten Bereichen liegt.

Die gesamte Wasserfläche beläuft sich auf etwa 748m2, also 0,0748ha. Der Umfang der Uferlinie beträgt 99,6m, was zeigt, dass der Weiher trotz seiner vergleichsweise kleinen Fläche über eine ausgedehnte Uferzone verfügt. Das Wasservolumen lässt sich auf 648m3 berechnen.
Das Modell zeigt klar, dass es keinen sichtbaren Zufluss oder Abfluss gibt. Der Rothallenweiher ist somit ein abgeschlossenes Stillgewässer.

Zusammenfassend lassen sich die wichtigsten Kennzahlen wie folgt angeben:
• Maximale Tiefe: 1,9m
• Durchschnittliche Tiefe: 1,03m
• Wasserfläche: 748m2 / 0,0748 ha
• Umfang der Uferlinie: 99,6m
• Wasservolumen: 648m3

Schlussfolgerung
«Die Vermessung des Rothallenweihers hat gezeigt, dass es sich um ein sehr flaches Stillgewässer handelt, dessen maximale Tiefe aktuell nur noch 1,9 m beträgt. Die deutliche Abnahme seit der Sanierung von 1988 verdeutlicht, wie stark die natürliche Verlandung voranschreitet. Für den Naturschutz bedeutet dies, dass der Weiher zunehmend empfindlich auf ökologische Veränderungen reagiert. Mit dem kleiner werdenden Wasservolumen verstärken sich Temperatur- und Sauerstoffschwankungen, was direkte Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben kann. Gleichzeitig gewinnt die Röhrichtzone am Ufer an Bedeutung und bietet neue Lebensräume für spezialisierte Arten.»

Quelle: Jesse Schröer, Gymnasium Muttenz, Geheimnisse des Rothallenweihers - Eine bathymetrische Untersuchung, 13. Okzttober 2025