| Aussiedlung von der Burggasse auf den Geispel | Blick auf den Geispelhof im Dezember 2025 Foto: Graziella Tecl |
Der Geispelhof
Der Geispelhof ist ein Aussiedlerhof der Gemeinde Muttenz. Er gehört zu den wenigen landwirtschaftlichen Betrieben, die im Zuge der räumlichen Entwicklung aus dem historischen Dorfkern ausgesiedelt wurden und bis heute als selbstständige Betriebe bestehen.
Die Aussiedlung erfolgte ca. 1969-1970. Zuvor befand sich der Betrieb an der
Burggasse 10/12, wo die räumlichen Verhältnisse, insbesondere fehlende Erweiterungsflächen, eine zeitgemässe landwirtschaftliche Nutzung zunehmend erschwerten. Die Lage im Dorfkern liess weder betriebliche Entwicklung noch eine adäquate Trennung von Wohn- und Wirtschaftsbereichen zu.
Der neue Standort am Geispel bot ausreichende Flächen für Stallungen, Maschinen und Tierhaltung sowie bessere Erschliessungsmöglichkeiten.
Die Geschichte des Hofes ist eng mit der Familie Brüderlin verbunden. Um 1920 war der Eigentümer Johann Brüderlin-Gottstein (Grossvater). Danach übernahm sein Sohn Johann Brüderlin-Nachbur und danach wiederum dessen Sohn Hans Brüderlin-Matti (ca. 1979). Mittlerweile führen Hanspeter Brüderlin (Meisterlandwirt, Abschluss 1995) und seine Frau Andrea Habegger (Landwirtin und Bäckerin) den Hof. Tochter Martina Brüderlin arbeitet mit, während ihre Grosseltern Hans und Margrit Brüderlin weiterhin im Betrieb präsent sind. 1980 gründeten sie eine Betriebsgemeinschaft. Der Hof blieb so aber über mehrere Generationen in Familienbesitz und wird bis heute als Familienbetrieb geführt.
Der Geispelhof bewirtschaftet heute insgesamt rund 28 Hektaren Landwirtschaftsfläche (1995 waren es noch rund 26 ha). Davon sind rund 1,5 Hektaren eigenes Land, der überwiegende Teil ist Pachtland, unter anderem von der Bürgergemeinde Muttenz.
Produktionsschwerpunkte im Wandel
Auf den damals 16 ha Wiesland und 10 ha Ackerland wurden Milchwirtschaft, Obst-, Acker- und Futterbau betrieben. Bis in die 1990er Jahre war die Milchwirtschaft mit mindestens 10 Kühen ein zentraler Betriebszweig, allerdings folgte ein massiver Preiszerfall. Der Milchpreis fiel in dieser Zeit von ca. CHF 1.80/Liter auf rund CHF 0.70/Liter. Somit wurde 1998 die Milchwirtschaft wegen der sinkenden Produzentenpreise, steigenden Produktionskosten und eines zunehmenden Importdrucks aufgegeben.
Auch die Schweinezucht mit rund 18 Mutterschweinen war zeitweise Bestandteil des Betriebs. Aber auch dort fielen die Preise sehr: Der Ferkelpreis von ehemals rund CHF 10-12 ging auf rund CHF 6 runter. Dazu stiegen gleichzeitig die Futterkosten. Aufgrund der mangelnden Wirtschaftlichkeit wurde auch dieser Betriebszweig aufgegeben.
Der Hof verfügte über Hochstamm-Kirschbäume mit alten Sorten, die qualitativ hochwertige Früchte trugen. Diese konnten aber zunehmend nicht mehr mit dem Grosshandel konkurrieren, wegen optischer Kriterien (Grösse, Farbe) und mit fehlender Nachfrage der Grossverteiler. Somit wurde der Obstbau schrittweise reduziert. Heute erfolgt höchstens noch ein Direktverkauf im kleinen Rahmen, ohne wirtschaftliche Bedeutung für den Gesamtbetrieb.
Zentrales Standbein
Seit den 1980er-Jahren entwickelte sich aber die Pferdepension zum zentralen Standbein des Geispelhof. Aufgrund guter Nachfrage konnte der Hof seine Stallungen und Angebote in diese Richtung kontinuierlich ausbauen. Sie waren so vor allem unabhängig von Grossverteilern und konnten natürlich ihre Preise für Boxmieten und Futter freier gestalten. In den 1990er-Jahren hatten sie rund 28 Pferde inklusive Ponys. Zu Höchstzeiten hatte der Hof einen Bestand von bis zu 42 Pferden und Ponys (Pensionshaltung). Heute ist der Bestand geringer, aber ein wirtschaftlich tragfähiger Bestand. Die Pferdehaltung erwies sich daher als langfristig stabilster Betriebszweig.
Neben diesem Betriebszweig führen sie noch eine Backstube und eine kleine Schafzucht. Ihre Shropeshire-Schafe fressen keine Tannenadeln und können somit zwischen den Weihnachtsbaumkulturen grasen. Sie weiden auf insgesamt 3 ha Land der Bürgergemeinde Muttenz und Pratteln. Der Forst muss dem Gras somit nur noch einen Säuberungsschnitt verpassen. Die Backstube von Andrea Habegger ist zurzeit einmal die Woche mit Selbstbedienung am Freitag von 7 bis 16 Uhr geöffnet.
Quellen:
Umfrage Landwirtschaftsbetriebe 1994, Museen Muttenz
Interview mit Hans Brüderlin am 18.11.2025
Homepage des Geispelhofes
