Steibure

so wurden die Bauern damals genannt, welche Bausteine nach Basel geführt haben. Die nachfolgenden Darlegungen sind mir aus den Erzählungen meines Vaters (Stäffeniggis-Niggi), geb. 1874 in Erinnerung geblieben. Mein Grossvater Niklaus Pfirter-Mesmer, (Staffeniggi) geb. 1846 war «Steibur». Mein Vater war bis zum Eintritt in den Dienst der darnaligen Centralbahn im Jahre 1894 in elterlichen Landwirtschaftsbetrieb tätig und hat auch nachher noch gelegentlich Steinfuhren besorgt.

Bisweilen redet man heute noch gelegentlich von der «guten alten Zeit». Die Arbeit des Steibur war alles andere als dies und würde heute mit Berechtigung die Bezeichnung Stress verdienen.

Die Steinwagen waren solide und schwer gebauten Brückenwagen. Gefahren wurde meistens 2-spännig, bei ganz schweren Transporten auch 4-spännig. Bis zur Aufnahme des Bahnbetriebes auf Sulz mussten die Steine in der Grube selbst geladen werden. Der Abtransport erfolgte über die heute noch bestehenden Wege. Sicher waren diese damals in schlechten Zustand. und. bedeuteten für die Pferde öfters eine Schinderei. Die Sulzgasse weist eine grössere Breite auf gegenüber einem gewöhnlichen Waldweg, damit die von der Grube talwärts fahrenden Wagen mit jenen welche zur Grube hinauffahrenden Wagen kreuzen konnten. Die Steinfuhren erfolgten auf Rechnung in einem, man könnte es Akkordsystem nennen, von Georg Pfirter-Hammel, Wirtschaft zur Waage. Entlöhnt wurde auf Grund des Gewichtes der transportierten Steine und alle Fuhren mussten deshalb auf der Waage gewogen werden. Erst dann erfolgte die Weiterfahrt an den Bestimmungsort in Basel. Im Schänzli war das gegenüberliegende Birsufer nur mit einer Holzbrücke verbunden, welche der Belastung durch die Steinwagen nicht gewachsen war. So musste meistens der Weg über Birsfelden genommen werden. Hatte eine Fuhre ihren Bestimmungsort z.B. im Gundeldingerquartier führte der Weg den Sägeberg hinauf. Für eine 2-Spännerladung war die Fracht zu schwer und so musste man stets darauf Bedacht sein, dass gegenseitig Vorspann geleistet werden konnte. Der Rückweg war über das Schänzli möglich und meistens ging der Weg bei niedrigem Wasserstand der Birs mit Ross und Wagen durch das Flussbett.

So etwa könnten damals die Fuhrwerke ausgesehen haben. Wittinsburg, Fuhrwerk mit Gisibergsteine, Theodor Strübing 1940-1950, Archäologie und Museum Baselland, CC BY-NC-SA 4.0

Ueber die damaligen Verhältnisse geben die nachstehenden Eintragungen in den Verhandlungsprotokollen des Gemeinderates einen Hinweis.

  1. Juni 1891
    Der Einsturz der Eisenbahnbrücke bei Mönchenstein veranlasste den Gemeinderat der hölzernen Brücke bei St. Jakob grössere Aufmerksamkeit zu schenken, und hat nach Anhören eines Berichtes seitens des Präsidenten über deren Solidität beschlossen:
    Das Befahren derselben mit geladenen Lastwagen sofort zu verbieten, ferner dieselbe durch Sachverständige untersuchen zu lassen.
  1. August 1891
    Die Brücke soll sofort für den Normalfuhrwerkverkehr freigegeben werden. Es darf nur 1 Fuhrwerk und nur im Schritt gefahren werden. (Die Steintransporte dürften wohl kaum unter diesen Begriff gefallen sein).
  1. Februar 1897
    Jakob Christen auf Schänzli zeigt an, dass die Brücke bei St. Jakob mit beladenen Steinwagen befahren wurde, sogar nit 4-Spännerwagen.
    Es wird dies mit einer Strafe von Fr. 10.—verboten.
  1. September 1897
    Der Regierungsrat teilt mit, dass die Baudirektion zur Einbringung eines Projektes beauftrag worden ist, um dann wegen einer neuen Brücke Verhandlungen mit Basel-Stadt aufnehmen zu können.

Ich bin nicht in der Lage über den Verdienst eines «Steibur» Angaben zu machen. Sicher war dieser aber nach den Aussagen meines Vaters klein. Der Steibur war guter Kunde von Schmied und Wagner und auf Ende Jahr standen stets grössere Rechnungen ins Haus. Einträglicher war das Geschäft aber sicher für den Grubenunternehmer.

Jeder Steibur betrieb nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft und hielt nebst den beiden Pferden noch ein oder 2 Kühe. Die Erträgnisse aus der Landwirtschaft vermochten in vielen Fällen wohl kaum der Selbstversorgung zu genügen. Beim Unternehmer und Wirt Georg Pfirter konnten die Futtermittel (Hafer für die Pferde), was die eigene Landwirtschaft nicht abzuwerfen vermochte, gekauft werden.

Sogar der Zwick für an die Peitsche war dort zu haben. Hatte ein Steibur etwa noch Unglück mit den Pferden, war es mit dem Verdienst bald aus.

Als eigentliche Steibure waren tätig:

  • Bär Rudolf (Säuliruedi)
  • Grollimund - Lavater Nathanael
  • Meyer - Mesmer Samuel, (Gallisämi)
  • Gruber - Weber Johann
  • Pfirter - Mesmer Niklaus (Stäffeniggi)

AIs letzter ehemaliger Steibur ist Johann Gruber - Weber am 26. Februar 1924 gestorben.

Abschliessend. darf gesagt werden, dass der Betrieb des Steinbruches für die damalige Zelt für die Gemeinde schon eine gewisse Bedeutung hatte. Um 1910 ist diese Epoche zu Ende gegangen und wurde durch die im gleichen Jahr ins Leben gerufene Milchgenossenschaft durch die Landwirte abgelöst.

Wie bereits erwähnt sind mir die meisten Angaben aus den Erzählungen meines Vaters im Gedächtnis haften geblieben. Einige weitere Angaben verdanke ich alt Bürgerrat Karl Seiler-Graf und Jakob Häfeli-Schmid, Bauer auf Sulz.

Muttenz, im Januar 1982

Karl Pfirter-Haller

Manuskript